Autor Thema: Terra Preta  (Gelesen 3236 mal)

Hortulus

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Terra Preta
« am: 07. November 2017, 21:31:54 »
Terra Preta Part 1 Pflanzenkohle Gewinnung:

Freunde, hier möchte ich euch zeigen, wie ihr selbst aus den in euren Gärten anfallenden, holzigen Pflanzenteilen, Pflanzenkohle machen könnt. Im nächsten Schritt, wie ihr daraus zusammen mit euren Küchenabfällen, Gartenabfällen, Kleintiermist und angerottetem Kompost, Terra Preta selbst machen könnt.

Ihr benötigt:
1. Holziges Material das bei der Gartenarbeit übers Jahr anfällt.
2. Einen Erd-Kon-Tiki, das ist ein Erdloch im Garten mit einer Wandneigung von 58 bis 63 Grad, das mit Steinen eingefasst wird.
3. Frische krautige Gartenabfälle und oder frische holzige die gehäckselt wurden, Küchenabfälle und angerotteten, aber nicht fertigen, Kompost.
4. Einen Platz, auf dem die angemischte Terra Preta 3 Monate liegen kann.

Zu 1. Dazu brauche ich nichts weiter erklären, hat eigentlich jeder Garten. Gut abgelagert und getrocknet sollte es sein.

Zu 2. Ein Kon-Tiki ist ein Behälter in dem man durch Pyrolyse Holzkohle gewinnt. Ein Erd-Kon-Tiki ist eben ein Erdloch in dem durch die spezielle        Wandneigung das Selbe passiert. Der Rand sollte mit Steinen befestigt sein. Da die Pflanzenkohle idealer Weise von unten abgelöscht wird, sollte ein Wasserrohr zum Grund führen. Ich habe meines mit einem alten Topfuntersetzter überdeckt. So kann das Ablöschwasser ungehindert von unten ansteigen und die Pflanzenkohle ablöschen. Zur Vorbereitung für das verkohlen wird alles holzige Material, das bei der Gartenarbeit anfällt, gelagert bis es dürr ist. Dann im Erd-Kon-Tiki, der etwa 80 cm tief und eine Seitenwandneigung von 58-63 Grad aufweisen sollte, nach und nach verkohlen. Dazu einige Hölzer am Grund anbrennen, beständig nachlegen und immer wenn sich Asche zeigt, sofort mit feinen Material die Flammen ersticken. Nach etwa 3 Stunden ist der Erd-Kon-Tiki fertig befüllt. Während dieser Zeit lässt sich sehr gut Grillgut garen und mit Freunden ein Fest feiern. Wenn der Erd-Kon-Tiki bis zum Rand befüllt ist, kann die Kohle abgelöscht werden. Das geschieht am Besten von unten, ich habe zu dem Zweck ein Wasserrohr beim Bau mit eingegraben. Da die noch glimmende oder brennende Kohle oben auf schwimmt, diese mit der Schaufel unter Wasser drücken. Ist alles abgelöscht, kann das Löschwasser eingeschöpft und für die spätere Verwendung zum Biologischen Pflanzenschutz genutzt werden. Die Pflanzenkohlestücke am besten gleich im Erd-Kon-Tiki etwas zerstoßen und zerkleinern. Ich schaufle die Pflanzenkohle danach in große Baumtöpfe, da kann sie gut abtrocknen. Nun hat man seine eigene Bioholzkohle gewonnen, oder eben den Ausgangsstoff für die eigene Terra Preta. Um Terra Preta damit herzustellen, muss die Kohle zerkleinert werden. Ideal wäre eine Körnung von 0 ( also Mehl ) bis 3 mm, was mit einem Gartenhäcksler oder durch überrollen mit dem PKW in der Einfahrt erzielt werden kann. Als Formel gilt: 10 Volumenprozent Pflanzenkohle muss in den Haufen mit Garten- und Küchenabfällen eingemischt werden.

Zu 3. Krautige Gartenabfälle und oder frische holzige die gehäckselt wurden, Küchenabfälle und angerotteten, aber nicht fertigen, Kompost. Warum sollte man zum Ansetzen der Terra Preta angerotteten aber nicht fertigen Kompost verwenden? Kompost ist voller Leben, unzählige Mikroorganismen leisten zusammen mit den Makroorganismen die Umwandlung der Garten- und Küchenabfälle in besten Komposthumus, unserem Gärtnergold. Fertiger Kompost ist deutlich weniger belebt und wird leider nicht mehr in Terra Preta umgewandelt. Angerottetes Material dagegen impft unsere Terra Preta Mischung mit den erforderlichen Mikroorganismen, um die Pflanzenkohle zu beleben und so die Umwandlung der Biomasse in diesen Ewigkeitsdauerhumus Terra Preta zu ermöglichen.

Zu 4. Der Platz an dem die Terra Preta nun 3 Monate liegen wird, sollte vor Überschwemmung bei Starkregen geschützt sein. Er muss nicht im Schatten liegen. Sollte jedoch in jedem Fall genügend Platz bieten um gut hantieren zu können. Eine gleichmäßige Durchmischung der Biomasse mit der Pflanzenkohle ist wichtig. Der Haufen sollte nicht höher als 1,5 Meter und nicht breiter als 2,5 Meter sein, damit die aeroben Mikroorganismen nicht im inneren ersticken. Bitte nicht mit Methoden der Bokashigewinnung unter Luftabschluss mit anaeroben Mikroorganismen verwechseln. Damit die Kohle durch Regen nicht von den äußeren Gartenabfällen abgewaschen wird, den Terra Preta Haufen mit einer Plane oder Folie abdecken. Ein erneutes durchmischen nach 6 Wochen ist förderlich. Die dabei entstandene Terra Preta kann pur im Garten verwendet werden. Jedoch nicht für Schnittlauch, Moorbeetpflanzen und Orchideen. Alles andere, einschließlich Lilien, Taglilien, Schwertlilien, Obst und Gemüse wächst und gedeiht prächtig. Terra Preta speichert Wasser und Luft, kann Bodenermüdung neutralisieren und speichert überschüssige Nährstoffe, düngen ist daher meist nicht mehr erforderlich. Die Pflanzen wachsen gleichmäßiger und entwickeln sich gesünder.

Als Vizepräsident der GdS interessiert es mich, wer von euch schon Erfahrungen mit Terra Preta gesammelt hat, oder wer Terra Preta bereits einsetzt. Schreibt doch einfach eure Kommentare und stellt Bilder dazu ein. Denn dann ist es für andere sicher einfacher, es selber auszuprobieren.
« Letzte Änderung: 14. November 2017, 00:50:01 von Hortulus »
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Re: Terra Preta
« Antwort #1 am: 13. November 2017, 20:46:21 »
Hier ein Filmbeitrag zur Terra Preta Forschung der Uni Halle:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=20&v=xnyc2v4eBYA
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Re: Terra Preta
« Antwort #2 am: 13. November 2017, 20:55:15 »
Hier eine Reportage: Terra Preta - Das Schwarze Gold Amazonas

https://www.youtube.com/watch?v=xybx6DMmPiQ
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Re: Terra Preta
« Antwort #3 am: 14. November 2017, 20:44:21 »
Unter der URL (http://www.duenger-und-erde.de/erden/terra-preta.html ) habe ich folgenden Text gefunden:

„Pflanzenkohle (8 Liter)
* Tonmehl (0,2 Liter)
* Urgesteinsmehl (0,4 Liter)
* organischer Dünger (Kompost oder Rinderdung) (1 Liter)
* stickstoffhaltiger Dünger (z.B. Brennnesseljauchen, Einnährstoffdünger) (0,4 Liter)

Diese Zutaten werden zusammen gemischt, für etwa 4 Wochen stehen gelassen und schließlich in den Gartenboden bzw. der Blumenerde eingearbeitet. Als Faustregel kann folgendes gelten: Auf einem Liter Gesamtsubstrat sollten maximal 10 Prozent des Terra-Preta-Substrats eingearbeitet werden.“

Scheint verschiedene Mischungen zu geben. Nur, welche ist die optimale?

Ich habe bei Stefan gesehen, dass er Lilien in relativ kleinen Containern (9ner?) kultiviert.
Frage: Würden auch Hosta in Töpfen/ Containern kultivierbar sein?
Frage: Kann man nicht auch Holzkohle vom Köhler (gibt‘s hier noch!) nehmen? Von welchem Holz?
Grüße von der Ostalb

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Re: Terra Preta
« Antwort #4 am: 18. November 2017, 12:04:53 »
Holzkohle vom Köhler geht natürlich auch.
Meine erste Terra Preta machte ich auch mit Holzkohle aus der Schauköhlerei im Bayerischen Wald, der ja eigentlich Böhmer Wald heißt.
Auf Dauer sollte mehr oder nur Abfallholz und da eben am Besten aus dem eigenen Garten erwendet werden.

Ja, ich habe tausende Lilium, Iris und Hemerocallis in 9er, 11er, 13er Töpfen stehen. Hunderte Hemerocallis  und Iris auch in schwarzen Gärtnerkisten. Alle stehen in reiner Terra Preta Stufe 1 und wachsen sehr gut.

Die angegebene Mischung entspricht nicht meiner. Wenn dabei auch gute Terra Preta entsteht, warum nicht.
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Re: Terra Preta
« Antwort #5 am: 20. November 2017, 20:39:35 »
Hier noch ein Link zu Terra Preta in Welt.de. In dem Bericht kommt Haiko Pieplow von der Freien Universität Berlin zu Wort:

Hobbygärtner schwören auf die Supererde Terra Preta.
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Re: Terra Preta
« Antwort #6 am: 22. November 2017, 12:20:00 »
Was ich unten vergessen hatte anzugeben:

Alle meine Hosta stehen in reiner Terra Preta Stufe 1 ebenso die Yucca, Rosen und Maiglöckchen,
ich liebe Maiglöckchen. 
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Re: Terra Preta
« Antwort #7 am: 22. November 2017, 21:17:58 »
Terra Preta Part 2

Nun geht es darum, die selbst hergestellte, oder gekaufte, Pflanzenkohle mit allen frischen Gartenabfällen und oder Misten, was man eben hat, zu vermischen.

Bild 1 zeigt die Ausgangsstoffe so wie ich sie verwende: Pferdemist mit sehr viel Strohanteil, angerotteter Grünschnittkompost, frischer Grünschnitt (Rasen, Hecken, Gemüsereste, Küchenabfälle, Gartenabfälle). Da die Pflanzenkohle mit 1.000 € je Tonne sehr hochpreisig ist, mache ich sie mir jetzt in meinem Kon-Tiki selbst. Natürlich aus den Gartenabfällen die bei mir anfallen.

Bild 2 zeigt die zerkleinerte Pflanzenkohle.

Bild 3 und 4 zeigen das verteilen der Pflanzenkohle aus dem 1,3 m³ Bigbag heraus. Schön gleichmäßig ist wichtig.  :)

Bild 5 zeigt den gut durchmischten Haufen mit 10 Volumenprozent Pflanzenkohleanteil. Nicht vergessen ihn mit einer Plane abzudecken, damit der regen die Kohle nicht nach unten wäscht.
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Re: Terra Preta
« Antwort #8 am: 22. November 2017, 21:28:10 »
Terra Preta wird bei uns in Franken und an vielen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach der Methode von Sitki Kurhan produziert.

Sitki will unbedingt die Welt verbessern und dafür sorgen, das die Menschen keinen Kunstdünger mehr brauchen. Er hält Vorträge, veranstaltet Seminare und zeigt jedem kostenlos wie es richtig gemacht wir. Sein Ziel, den Welthunger zu besiegen, verfolgt er gerade mit großen Projekten auf den Philippinen mit der dortigen Regierung.

Hier auf diesem Bild ist seine Terra Preta Produktion im Großen in Fürth in Bayern zu sehen.
« Letzte Änderung: 22. November 2017, 21:55:20 von Hortulus »
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Re: Terra Preta
« Antwort #9 am: 22. November 2017, 21:37:28 »
Auf diesem Bild sieht man gut die gewaltigen Mengen an Stroh, ankompostiertem Grünschnitt und der Pflanzenkohle.

Jeder dieser schwarzen Haufen schlägt mit etwas über 1.000 € zu Buche.
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Re: Terra Preta
« Antwort #10 am: 22. November 2017, 21:50:35 »
Hier zeigt das erste Bild wie der Umsetzer die Ausgangsstoffe gleichmäßig vermischt und zu diesen Terra Preta Mieten formt.

Das zweite Bild zeigt die drei Entwicklungsstufen der Terra Preta.

Im Vordergrund fast fertige Terra Preta, die vor 10 Wochen angesetzt wurde.

Dahinter halbfertige Terra Preta, sie wurde erst vor 6 Wochen angesetzt und braucht noch 6 Wochen.

Im Hintergrund die gerade frisch angesetzte Terra Preta, die nun für 3 Monate hier liegt.
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Re: Terra Preta
« Antwort #11 am: 24. November 2017, 08:08:40 »
Gestern Abend auf dem Campus mit der Studierendenvertretung der Universität Würzburg
Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit, haben wir beschlossen auf der LGS Würzburg 2018 Workshops zur Gewinnung von Biochar und Terra Preta anzubieten. Ihr seid jetzt schon alle dazu eingeladen.
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Re: Terra Preta
« Antwort #12 am: 24. November 2017, 23:33:08 »
Alle Gäste, die hier noch nicht angemeldet sind

und daher noch nicht schreiben können, ihr könnt mir auch eine E-Mail schicken.

Einfach auf die Weltkugel unter meinem Avatar klicken.
« Letzte Änderung: 24. November 2017, 23:44:54 von Hortulus »
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Re: Terra Preta
« Antwort #13 am: 25. November 2017, 23:43:33 »
Kohle lässt sich nicht nur aus Holz gewinnen. Die „Schwäbische Post“ schreibt heute, dass der israelische Forscher Amir Gross ein Verfahren entwickelt hat, um aus Geflügel-Kot ein Produkt namens „Hydro-Kohle“ herzustellen. Hydro-Kohle sei billiger in der Herstellung und ernergieeffizienter.
Man sieht, man kann aus Scheiße Gold machen. Ob Hydro-Kohle auch für Terra Preta geeignet ist, muss sich herausstellen.
Grüße von der Ostalb

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Re: Terra Preta
« Antwort #14 am: 25. November 2017, 23:51:12 »
Sofern daraus reiner Kohlenstoff entsteht, warum nicht?
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