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Kategorie => Der Garten und seine Bewohner => Tiere im Garten => Thema gestartet von: Sabine Baumann am 31. Oktober 2017, 11:39:35

Titel: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Sabine Baumann am 31. Oktober 2017, 11:39:35
Sehr oft sieht man selbst gebaute ‚Wildbienen-Hotels’, die zwar hübsch aussehen, aber von den Bienen kaum angenommen werden. Das ist sehr schade, schließlich hat hier jemand Zeit und Geld investiert, um etwas für diese Tiere zu tun. Auch bei den im Handel erhältlichen Häusern sieht es leider nicht viel besser aus.

Aber was sind die Gründe für diesen Misserfolg? Die Bienen stellen gewisse Ansprüche an ihre Nistplätze, die man beim Nisthilfenbau beachten muss. Nun hat nicht jeder Zeit und Lust, sich intensiv in die Thematik einzuarbeiten. Deshalb habe ich hier in kompakter Form meine eigenen Erfahrungen zusammengestellt.       

Zunächst zum Material, mit dem die Nisthilfe bestückt wird
 
Holz mit gebohrten Löchern
Es sollte nur unbehandeltes Hartholz verwendet werden (Eiche, Buche, Obsthölzer, etc.), Nadelhölzer quellen bei Feuchtigkeit auf, dadurch verengen sich die Löcher, abgesehen davon kann es zu Pilzbefall kommen. Auch sind die Bohrlöcher im Weichholz nicht so glatt, dadurch können Fasern in den Gang hineinragen, an denen sich die Bienen verletzen.
Um eventuell eindringendes Wasser besser abfließen zu lassen, empfiehlt es sich, alle Löcher leicht schräg nach oben zu bohren.
Um viele verschiedene Bienenarten anzulocken, bohrt man Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern (zwischen 3 und 8mm).
Die Löcher sollten nicht zu dicht nebeneinander liegen (z.B. ca. 2cm Abstand bei 8mm Löchern, kleinere Löcher können enger bei einander sein), damit das Holz nicht reißt.
Die Löcher müssen hinten geschlossen sein, also das Holz nicht ganz durchbohren!   
Die Tiefe des Lochs in cm entspricht ungefähr der Stärke des Bohrers in mm.
Abstehende Fasern am Bohrloch müssen glatt geschliffen werden.
Das Holz muss von der Seite her angebohrt werden, nicht stirnseitig! Das wird ganz besonders oft falsch gemacht. Also nicht dort hinein bohren, wo man die Jahresringe sieht, sondern dort, wo ursprünglich die Rinde war.

Morschholz
Angerottetes Holz kann natürlich auch in der Nisthilfe verbaut werden. Die Bienen beißen sich hier selbst ihre Niströhren hinein, ein Anbohren ist nicht nötig. Hier ist auch die Richtung des Einbaus unerheblich.
 
hohle Stängel
Gut eignen sich Schilf und Bambus aber auch viele hohle Stängel von Stauden (ausprobieren!) mit einem Lochdurchmesser von 2 bis 10mm.
Die Stängel glatt durchschneiden  nicht quetschen, da sie sonst seitlich aufreißen und splittern können (Verletzungsgefahr (für die Bienen ;-) ), Gefahr von Pilzbefall), härtere Stängel (z.B. Bambus) sägen (Dekupiersäge).
Bei Stängeln mit Knoten (Verdickungen) muss dieser beim Einbau in die Nisthilfe im hinteren Drittel des Röhrchens liegen (die Knoten sind nicht durchgängig) und bildet dort die hintere Begrenzung des Nistraums. Stängel ohne Knoten müssen auf andere Art am hinteren Ende geschlossen werden  (siehe Fixierung in der Nisthilfe).
Schilfstängel dürfen beim ‚Ernten’ nicht zu jung sein, sie ‚schnurren’ sonst beim Trocknen zusammen, der Hohlraum verschließt sich. Also nicht vor Ende des Sommers schneiden.
Die Stängel kann man mit feuchtem Lehm oder Gips in der Nisthilfe fixieren, da sie sonst gerne von Vögeln auf der Suche nach Futter oder Nistmaterial aus der Nisthilfe gezogen werden.

markhaltige Stängel
Holunder, Himbeere und Co. können auch für Nisthilfen verwendet werden, sollten allerdings nicht horizontal in Insektenhotels hineingelegt, sondern einzeln oder in kleinen Bündeln vertikal aufgehängt werden, z.B. an einem Zaun o.ä.. Die Bienen beißen sich dann von der Seite her in die Stängel hinein.   

Lehmwand
Dies ist die aufwändigste und im Eigenbau meist am wenigsten erfolgreiche Form einer Nisthilfe, aber durchaus reizvoll und vielleicht auch eine Herausforderung.
Kleinere Parzellen können einfach mit steinfreiem Löss oder nicht zu schwerem Lehm, der leicht angefeuchtet und geknetet wurde, befüllt werden. Solche Miniwände werden aber selten besiedelt, weil sie von den entsprechenden Bienen nicht als möglicher Nistplatz erkannt werden, da diese gewöhnlich in Kolonien nisten. Sie werden aber von anderen Bienenarten genutzt, die die Stängel oder Bohrlöcher im Insektenhotel besiedeln, um Material für den Nestverschluss zu gewinnen.
Bei größeren Gebilden wird es aus Gründen der Stabilität komplizierter. Entweder man baut eine Wand aus alten Backsteinen, die mit 3cm breiten Lehmfugen vermörtelt werden  (darunter gehört natürlich ein tragfähiges Fundament) oder man baut eine Wand aus vielen einzelnen mit Lehm gefüllten Elementen (Pflanzsteine, Holzkistchen oder alte Balkonkästen o.ä.), die aufeinander gestapelt werden. Sogenannte Flechtwände, die Gefache in Fachwerkhäusern nachahmen sollen, sind sehr aufwändig und eigentlich nicht wirklich geeignet, da es Jahre geht, bis das mit dem Lehm vermischte Stroh so mürbe ist, dass es für die Bienen kein Hindernis mehr darstellt.
Man kann auch Löss in die Löcher von Backsteinen einsieben und anfeuchten. Auf diese Art lassen sich diese ansonsten recht nutzlosen Steine im Bienenhaus sinnvoll integrieren.   

Wenn Lehm oder Löss verbaut werden soll, ist es in jedem Fall wichtig, dass dieser nur dort entnommen wird, wo kein wertvoller Lebensraum geschädigt wird. Das Material muss
- steinfrei (unüberwindliches Hindernis beim Graben),
- humusfrei (Gefahr der Besiedelung mit Pilzen),
- nicht zu schwer (sandiger Lehm oder Löss, Ton wird nach dem Trocknen zu hart) und                                         
- sandarm sein (Beißwerkzeuge nutzen sich zu stark ab),
- nicht zu feucht verarbeitet werden und langsam trocknen können (ohne Sonne oder Frost), da sich sonst unweigerlich Risse
  bilden.   
Zum Anlocken von Bienen bohrt man mehrere 3cm tiefe Löcher mit einem Durchmesser von 7mm in das noch feuchte Material.

Der Standort für die Nisthilfe sollte

- regengeschützt  (Verpilzung!) sein. An der Hauswand unter einem Dachvorsprung wäre ideal. Möglichst nicht zur Wetterseite
  hin orientiert!
  Größere Nisthilfen können natürlich auch frei stehen, solange sie ein Dach mit ordentlichem Dachvorsprung haben.
- möglichst sonnig sein. Die Nisthilfe nicht, wie oft gemacht, in einen Baum hängen, da es dort in der Regel zu schattig ist und
  die Nisthilfe dann viel weniger angenommen wird als in der Sonne. Ideal wäre eine Ausrichtung nach Süden bis Südosten.
- windgeschützt sein. Im Wind schwankende Nisthilfen werden kaum besiedelt.
- auch ein freier Anflug ist wichtig!
      
Pflege braucht die Nisthilfe eigentlich keine.
Ein Reinigen der Bohrlöcher o.ä. ist nicht nötig, die meisten Bienen räumen die Nistgänge der Vorgänger i.d.R. selbst aus.
Kein Einräumen der Nisthilfe im Winter, dieses wäre sogar eher schädlich.
Die Nisthilfe sollte möglichst keinen Anstrich erhalten, höchstens mit einem völlig ungiftigen Mittel.
Einzig Spinnweben vor den Einfluglöchern sollten vorsichtig entfernt werden.

Ganz wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Besiedelung der Nisthilfe sind natürlich ein bienenfreundliches Umfeld ohne Insektizide und mit genügend Blütenpflanzen, vor allem einheimische und ungefüllte Arten, denn wo keine Nahrung vorhanden ist, werden sich auch keine Wildbienen ansiedeln!

Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen will, dem sei das Buch ‚Wildbienen – Die anderen Bienen’ von Paul Westrich (Verlag Dr. Friedrich Pfeil) wärmstens empfohlen!

Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Sabine Baumann am 31. Oktober 2017, 11:40:50
noch ein paar Bilder
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Hannelore Goos am 31. Oktober 2017, 11:53:49
Danke!
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: ralf neugebauer am 31. Oktober 2017, 11:58:37

 
Holz mit gebohrten Löchern

Das Holz muss von der Seite her angebohrt werden, nicht stirnseitig! Das wird ganz besonders oft falsch gemacht. Also nicht dort hinein bohren, wo man die Jahresringe sieht, sondern dort, wo ursprünglich die Rinde war.

Diesen Mist findest Du in fast  allen Baumärkten. Selbst auf Gartenmärkten wir dieser Schund angeboten !!! .
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Heidschnucke am 31. Oktober 2017, 13:49:16
Danke, Sabine. Das ist sehr hilfreich!
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Hortulus am 27. November 2017, 10:34:17
Danke Sabine, sehr gut geschrieben. Das wäre durchaus auch etwas für den Staudengarten. Was meinst Du?

Neulich in einem Blumen- und Gartenmarkt in Fürth/Vach hatte ich mir auch die vorhandene Auswahl angesehen. Die falsch angebohrten Hölzer werden zum Glück immer seltener.
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Sabine Baumann am 28. November 2017, 15:02:16
Da wars schon drin. Heft 4/2014. 😊
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Hortulus am 28. November 2017, 15:20:16
Echt?!?  ???
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: ralf neugebauer am 25. Dezember 2018, 09:16:29
Dazu noch eine Kurzinfo

von der
Labiola – Ein gemeinsames
Programm von Landwirtschaft
Aargau und der Abteilung
Landschaft und Gewässer
in der Schweiz
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Sabine Baumann am 25. Dezember 2018, 10:05:20
Danke, Ralf! Nur über das stirnseitige Anbohren der Nisthölzer ist man jetzt eigentlich hinweg - hat sich wohl noch nicht bis in die Schweiz rumgesprochen...  ;)
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Ommertalhof am 25. Dezember 2018, 10:24:25
Hallo zusammen , ein toller Artikel , vielen dank Sabine .
Wie schon gesagt , wird hier einiges falsch gemacht , was oft zum Absterben des gesamten Bienen"Hotels" führen kann .
Man muss dazu wissen , dass ca. 30% der Wildbienen Kuckucksbienen sind .
Die parasitieren andere Wildbienen , daraus resultiert , dass diese ganz grossen "Hotels" gleichzeitig ein Paradies für Parasiten und Pilze sind .
Deshalb , viele Kleine sind besser als ein Grosses .
Ausserdem legen die meisten Wildbienen ihre Eier im Boden , an sandigen , Pflanzen freien Flächen ab .
Das sollte man auch beachten .
Dann gibt es noch Arten , die unbedingt von der Schattenseite Einfluglöcher haben wollen . ZB. meine Lieblingsbiene 
.
Einen schönen Artikel hierzu gibt´s aktuell im Forum  "Hortus Insectorum" , dem von Markus Gastl initiirten 3 Zonengarten Modell .
Ein wirklich tolles Buch über Wildbienen gibt es von Anja Eder .

Unser Garten ist im Ursprung für Insekten und Wildtiere konzipiert worden und kommt ohne Insektenhotels aus .
Bei einer Begehung mit einem Wildbienenforscher aus Holland , entdeckte er innerhalb von drei Std 31 unterschiedliche Arten .
Grüsse vom Ommertalhof
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Ommertalhof am 25. Dezember 2018, 10:36:24
Ganz vergessen habe ich noch , dass der enorme Anstieg der Bienenvölker von Honigbienen , durch das mediale Interesse am Thema Bienensterben , dazu führt , dass die Solitär/Wildbienen einer noch stärkeren Konkurrenz um Nahrung , in der trachtenarmen Zeit ausgesetzt sind .Die vermehrte Imkertätigkeit lässt die Wildbienen noch stärker an das Existenzlimit kommen .
Die Honigbiene ist NICHT vom Aussterben bedroht !
Grüsse vom Ommertalhof
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Sabine Baumann am 25. Dezember 2018, 10:49:23
Ich seh das auch so. Die Insektenhotels sind natürlich nur Notlösungen für Gärten, die zu aufgeräumt sind. Aber sie sind besser als nichts und oft öffnen sie den Gartenbesitzern die Augen und wecken das Interesse für die wirklichen Bedürfnisse der Bienen.
Dass die Honigbiene in Sachen Bienensterben vor den Karren gespannt wurde, fand ich auch immer seltsam. Aber weil die meisten Leute keine Ahnung haben, dass es auch noch andere Bienen gibt und weil bei den Wildbienen meist die unvermeidbare Fragen nach dem (direkten) Nutzen für den Gartenbesitzer kommt, hatte ich mich eigentlich damit arrangiert. Aber dass das dann wiederum nachteilig für die eigentlich bedrohten Wildbienen werden könnte, daran hat wohl keiner gedacht.
Titel: Re: Was ist zu beachten beim Bau von Wildbienen-Nisthilfen?
Beitrag von: Michael Conrad am 25. Dezember 2018, 16:01:37
Was Ommertalhof da sagt, ist sehr wichtig. Gerade bei engem Stand vieler Nistmöglichkeiten erhöht sich das "Interesse" von Parasiten.

Ergänzend zu den Kuckucksbienen (bei uns sind Blutbienen häufig) möchte ich noch Schlupfwespen und die Taufliege Cacoxenus erwähnen.

Ich habe mehrere dieser Pappröllchenhäuser für die Gehörnte Mauerbiene an der Hauswand hängen, welche in den letzten Jahren stark von Cacoxenus befallen wurde. Diese Fliege (bzw. deren Made) parasitiert zwar nicht die Larven, ist aber Nahrungskonkurrent für die Bienenbrut innrehalb der Brutkammern. Nicht immer geht die Bienenbrut zugrunde, ist aber stets nach dem Schlupf geschwächt.

Die Schlupfwesepen traten erst im letzten Frühling gehäuft auf. Da kann ich nur hoffen, dass nicht alle Röhren betroffen sind.

Das lehrt mich aber: Ein Mehr (an Brutmöglichkeiten) ist nicht besser, verkehrt sich bisweilen ins Gegenteil.

Nun brauche ich aber nicht zu befürchten, dass die Mauerbienen verschwinden. Sie haben hier ein gutes Leben und bleiben als Bestäuber für unsere Obstbäume in genügend großer Zahl erhalten.

:)
Michael