Autor Thema: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten  (Gelesen 1188 mal)

Gartenkaiser

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Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« am: 21. Oktober 2018, 19:33:32 »
Nachdem 2017 für die Gräser-Fachgruppe und den "Staudengarten" und auch in der Gartenpraxis einen Beitrag über die Kopfgräser geschrieben habe, will ich berichten, wie sich die von uns kultivierten Arten in dem Extrem-Sommer 2018 mit Hitze, viel Sonne und fast kein Regen seit 8 Monaten verhalten haben.
Das Herbst-Kopfgras (Sesleria autumnalis) ist ja zur Zeit fast schon eine Modepflanze. Es wird viel verwendet, dass zu recht. Es ist ausgesprochen unkompliziert. Trockenheit macht ihm überhaupt nichts aus. Es wächst in der vollen Sonne bis hin zum lichten Schatten. An der Südseite einer Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) steht es am Weg ins Haus. Im Frühsommer ranken sich meist einige Triebe von Geranium Wallichianum-Grp, 'Blue Sunrise' durch die Kopfgräser, was recht reizvoll aussieht.
Von zahlreichen Botanikern wird das Silber-Kopfgras (S. argentea) nicht als eigene Art betrachtet, sondern mit S.autumnalis gleichgesetzt. Die mir bekannten kultivierten Typen, so auch die unseren, unterscheiden sich aber sehr wohl. Auffällig ist die deutlich vorgezogene Blütezeit, die schon Wochen vor dem Herbst-Kopfgras beginnt. Die Farbe des Laubes geht mehr ins bläuliche Grün. Unsere Pflanzen gedeihen im lichten Halbschatten einer alten Birke, also in deren Wurzelbereich, prächtig.
Aus der Südseite der selben Birke, in einer Schotterfläche, stehen 2 Exemplare des Steifen Kopfgrases (S. nitida). Von allen derzeit kultivierten Arten hebt es sich deutlich ab, durch die steifen, biedseitig blauen Blätter mit einer Stachelspitze. Es hat den Sommer ohne zusätzliches Gießen sehr gut überstanden.
Eine noch eher selten kultivierte Art für den trockenen Schatten ist das Pannonische Kopfgras (S. sadlerana). In der Natur soll es u.a. im Schatten von Felsen wachsen.
Das Siebenbürger-Kopfgras ähnelt durchaus dem Pannonischen Kopfgras, da es auch gut im Halbschatten gedeiht. Es möchte jedoch nicht zu trocken stehen. Karl Foerster schreibt, das alte Exemplare bis 1 m Durchmesser bekommen sollen. Unsere 2 Exemplare stehen direkt am Stamm einer Sauerkirsche.




« Letzte Änderung: 20. Dezember 2018, 18:03:59 von Gartenkaiser »
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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten, 2 Teil
« Antwort #1 am: 21. Oktober 2018, 20:02:39 »
Da fehlen natürlich noch die mit dem problematischen Namen.
Das Sumpf-Kopfgras (S. uliginosa) ist keine neue Art, sondern die im Handel als "S. caerulea" verbreitete. In Deutschland nicht heimisch, wächst die Art auf wechselfeuchten Wiesen, kann über Winter sogar "nasse Füße" ertragen. Leider verkaufen manche Gärtner die Art mit der Beschreibung des Kalk-Kopfgrases, dass in sehr trockenen Situationen vorkommt. S.uliginosa erträgt diese "Trockenbehandlung" recht gut. Dabei lässt sich das Sumpf-Kopfgras ganz einfach vom echten Kalk-Kopfgras unterscheiden: die Blätter sind auf einer Seite blau bereift. Beim Kalk-Kopfgras hingegen sind Blattober- und Blattunterseite immer gleichfarbig dunkelgrün. Eine Eigenschaft des Sumpf-Kopfgrases ist es im Alter Hexenringe zu bilden. D.h, die Mitte eines Horstes wird einmal "leer".
Das echte Kalk-Kopfgras hieß früher S. albicans. Dieser Name sollte beibehalten werden, weil bei Verwendung des offensichtlich jetzt gültigen Names S. caerulea Verwechslungen vorprogrammiert sind. Diese Art ist sehr dürreresistent. Außerdem bildet es keine Hexenringe. Bei uns wächst sie im Halbschatten einer Blut-Buche in reinem Kalksplitt u. -schotter.
Von der äußeren Gestalt lässt sich unterscheiden S. albicans var. pseudouliginosa. Die Botaniker erkennen diese im Oberdorfer genannte Varietät allerdings nicht an. Die Blätter sind viel schmäler als beim Typ. Auch werden die Pflanzen viel höher. Nach Oberdorfer soll es sich um einen Ökotyp handeln, der in Kalkflachmooren wächst. Bei uns gedeihen die beiden Exemplare im ganz normalen Gartenboden ohne Probleme.


« Letzte Änderung: 21. Oktober 2018, 20:06:04 von Gartenkaiser »
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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« Antwort #2 am: 22. Oktober 2018, 18:15:40 »
Schön ,
daß sich jemand aus der Gräserfraktion an seinen Erfahrungen teilhaben läßt.
Danke fürs zeigen der Bilder .  ;)

Verena Gaber

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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« Antwort #3 am: 22. Oktober 2018, 19:23:49 »
Endlich eine ausführliche und schön bebilderte Ausführung - obwohl, mir gefallen sie immer noch nicht.
Oft sehe ich tolle Pflanzungen mit Sesleria autumnalis. Aber oft fehlt es dagegen an Struktur und alles wirkt nur durcheinander. Und dann komme ich von näheren Überlegungen einer eigenen Pflanzung schon wieder ab. Oder liegt es daran, dass S.a. zu sehr im Schatten gepflanzt wurde? Wer kennt ältere Beete, die immer noch attraktiv wirken?

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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« Antwort #4 am: 19. Dezember 2018, 17:01:32 »
Sesleria heuflerana wurde zwar abgebildet, doch eine Beschreibung fehlt.
Mich würde interessieren, ob dieses Gras grüner durch den Winter kommt als S. autumnalis.
Ich habe ein neues Beet, das mit feinem Kies gemulcht ist und möchte eine Reihe Sesleria einpflanzen. Eine Pflanze steht schon und die Reihe wird hinter dem Quellstein weiter geführt.
Der Standort ist sonnig, vielleicht von 11 bis 14 Uhr leichter Schatten. Unter dem Kies ist lehmige Gartenerde.
Welches Sesleria wäre besser geeignet?
Im selben Beet werden zu den Rosen und Stauden links noch Pennisetum gepflanzt, wahrscheinlich Hameln oder eine ähnliche Sorte, weil der rundliche überhängende Wuchs die Ränder überspielt und im Halbschatten zwischen den beiden Mäuerchen pflanze ich Liriope Monroe White als "Grasersatz".



« Letzte Änderung: 19. Dezember 2018, 17:05:09 von Hero »
Rosige Grüße von Rose

Gartenkaiser

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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« Antwort #5 am: 20. Dezember 2018, 18:16:59 »
Hallo Rose,
ob das Siebenbürger Kopfgras (Sesleria heuflerana) grüner durch den Winter kommt, hängt natürlich sehr vom Winter ab: gesamter Temperaturverlauf, extreme Frostereignisse, etc. In den letzten, fast ausgefallenen Wintern blieb recht viel grün. Das kannst Du auf den beiden Bildern vom 29.04.2017 und 27.04.2018 sehen. Da es im April bereits blüht (auch auf den Bildern zu sehen), treibt es natürlich sehr früh aus.
Die anderen beiden Bilder zeigen es einmal sehr früh am 18.02.2016 (mit Cyclamen coum 'Album') bzw. ganz spät im Vorjahr (09.12.2015).
Alle Bilder vom Schlosspark Untermerzbach.
größerer Bestand von Sesleria heuflerana, am 9. Dez. 2015 fotografiert
Im darauf folgenden Spätwinter (18. Feb. 2016) blühen bereits die Frühlings-Alpenveilchen mit dem nicht zurückgeschnittenen Siebenbürger Kopfgras.
Die gleiche Fläche wie das Bild vom Dez. 2015, jetzt aber vom 29.April 2017 ....
... und vom 27.April 2018.
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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« Antwort #6 am: 20. Dezember 2018, 18:21:46 »
Da das Herbst-Kopfgras erst im späten Sommer blüht, lässt es sich im Frühjahr mehr Zeit. Insgesamt kommt es "strohiger" durch den Winter, bzw. zeigt sich im Vorfrühling recht strohig gelbbraun.
Wenn Du, Rose, ein wintergrünes Gras suchst, der Boden nicht trocken wird und die Sonne im Sommer nicht gnadenlos auf das Gras herabbrennt, wie wäre es mit Carex morrowii 'JS Mosten'?
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Re: Sesleria - Kopfgräser-Arten in unserem Garten
« Antwort #7 am: 20. Dezember 2018, 21:58:48 »
Hallo Gartenkaiser!

Deine ausführlichen und erstklassig bebilderten Antworten sind sehr hilfreich für mich.
Ich glaube, daß ich doch bei Sesleria autumnalis bleibe. Die locker-buschige Wuchsform ist m.A.n. dort schöner als z.B. Carex m..
Auf derselben "Etage" sollen Pennisetum hin, die im Winter gelb sind und sehr grüne Gräser dazu finde ich zu gegensätzlich.
Im Frühjahr werden beide Grasarten abgeschnitten, sodaß auch hier ähnliche Strukturen entstehen. Zudem sind noch einige Sporobolus heterolepsis im Beet, die dann dazu passen.
Wenn alles gepflanzt ist und auch die über 100 Narzissen Thalia blühen, zeige ich hier Bilder.
Vielen Dank nochmals.
Rosige Grüße von Rose