Autor Thema: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen  (Gelesen 1808 mal)

Christoph Rohlfs

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Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« am: 10. Dezember 2018, 18:54:49 »
Nachdem der alte Thread "Ramonda, Haberlea und Konsorten" auf rätselhafte Weise verschwunden ist und nicht wiederhergestellt werden kann, möchte ich hiermit einen Ersatz eröffnen. Ich werde in den nächsten Tagen erstmal versuchen, einen Überblick über das Thema zu verschaffen.

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #1 am: 10. Dezember 2018, 19:16:19 »
Die Familie der Gesneriaceen enthält eine Fülle von tropischen und subtropischen Gattungen, die hier nicht behandelt werden sollen, da sie bei uns nicht im Freiland wachsen können.
Benannt wurde die Familie zu Ehren des Züricher Arztes Konrad Gessner (1516-65) mit 2 s. Wo das 2. s in Gesneriaceae geblieben ist, kann ich nicht sagen. Es handelt sich um sogenannte Tertiärrelikte, also Pflanzen aus dem Pliozän (vor 5-3 Millionen Jahren). Danach kam die Eiszeit, in der viele Pflanzen ausstarben, diese sog. Tertiärrelikte aber in geschützten Nischen überlebten. Dies waren in erster Linie die Pyrenäen und die Berge des Balkans. Folgende Gattungen sind für uns von Interesse:
Haberlea mit den Arten rhodopensis (Bulgarien und Nordgriechenland)und ferdinandi-coburgi (Bulgarien)
Ramonda mit den Arten myconi (Pyrenäen), serbica und nathaliae ( beide in Nordgriechenland, Serbien, Bulgarien)
Jankaea mit der einzigen Art heldreichii (Olymp in Griechenland).
Außerdem gibt es in den Gattungen Briggsia, Oreocharis und Conandron noch einige Pflanzen, die mehr schlecht als recht im Freiland gezogen werden können, aber kaum bekannt sind
Ganz selten gibt es Hybriden zwischen Jankaea und Ramonda bzw. Haberlea mit den Namen Jankaemonda und Jankaeberlea.
« Letzte Änderung: 10. Dezember 2018, 19:17:51 von Christoph Rohlfs »

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #2 am: 10. Dezember 2018, 20:00:01 »
Die am häufigsten in unseren Gärten anzutreffende Gesneriacea ist Ramonda myconi. Am besten soll sie etwas sonnenabgewandt in den Fugen einer abschüssigen oder sogar senkrechten Kalksteinmauer wachsen. Ich habe aber auch gute Erfahrungen mit Pflanzen, die auf ebener Fläche und relativ sonnig stehen. Wichtig ist ein hoher Humusanteil im Boden, der ansonsten  mit Split o.ä. durchlässig gemacht wird, damit keine Staunässe entsteht. Trockenheit ist kein Problem, selbst völlig zusammengerollte Blätter entfalten sich nach dem Regen wieder. Neben der blau blühenden Art gibt es auch rosa und weiße Formen. die rosa Form geht aber bald nach dem Aufblühen in ein schmutziges Weiß über.
Die Vermehrung ist leicht, wenn sich mehrere Rosetten bilden, die abgeschnitten werden können. Vermehrung über Samen ist selten erfolgreich.
« Letzte Änderung: 10. Dezember 2018, 20:12:30 von Christoph Rohlfs »

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #3 am: 10. Dezember 2018, 20:17:47 »
Ramonda serbica wächst unter den gleichen Bedingungen wie R. myconi, bildet aber nur sehr langsam Tochterrosetten und beansprucht etwas mehr Aufmerksamkeit.

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #4 am: 10. Dezember 2018, 20:19:43 »
Ramonda nathaliae erfordert die gleichen Kulturbedingungen wie die beiden anderen Arten der Gattung. Der Wuchs bleibt etwas kleiner. Es gibt auch eine weiße Form.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2018, 19:48:00 von Christoph Rohlfs »

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #5 am: 10. Dezember 2018, 21:26:38 »
Haberlea rhodopensis, benannt nach dem Rhodopen-Gebirge in der Grenzregion Griechenland-Bulgarien, benötigt ähnliche Kulturbedingungen wie Ramonda. Es ist sehr wüchsig, blüht üppig und die Rosetten teilen sich häufig, so dass für Tochterpflanzen immer gesorgt ist. Der Samen sollte sofort nach der Reife ausgesät werden und immer feucht bleiben. Die Erfolgsaussichten sind trotzdem gering.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2018, 19:47:30 von Christoph Rohlfs »

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #6 am: 10. Dezember 2018, 21:29:23 »
Haberlea ferdinandi-coburgi unterscheidet sich von H. rhodopensis nur dadurch, dass die Blätter nicht oder kaum behaart sind. Deshalb wird es auch oft nicht als eigene Art anerkannt.
Das Bild zeigt eine Hybride zwischen beiden Arten.

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #7 am: 10. Dezember 2018, 21:35:30 »
Jankea heldreichii ist ein Endemit vom Olymp. Die Kultur gelingt nur, wenn man sich strikt an einige Regeln hält. Sonneneinstrahlung wird gar nicht vertragen und die Blattrosetten dürfen höchstens im sommer mal kurzzeitig feucht werden. Ich habe sie in einen nach Norden abfallenden Hang eingebaut und eine Steinplatte als Sonnen- und Regenschirm wie bei einem überdachten Balkon darübergesetzt. Im Winter kommt zusätzlich ein gläsernes Vordach darüber.Das Substrat soll fast humusfreier Kalkschotter oder noch bessser Tuff sein. Auch Spalten oder Löcher im Tuffstein sind gut. Die Pflanzen sind sehr zäh und sterben bei Kulturfehlern nur langsam!
« Letzte Änderung: 10. Dezember 2018, 21:37:47 von Christoph Rohlfs »

Edi

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #8 am: 11. Dezember 2018, 17:54:51 »
Tolle Aufnahme und klasse Thread!  :)

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #9 am: 12. Dezember 2018, 17:36:03 »
Weitere Hinweise und Bilder auch unter der Seite der Fachgruppe"Kleinbleibende und langsamwachsende Pflanzen".

Pyxidanthera †

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #10 am: 12. Dezember 2018, 21:42:08 »
Jankaemonda vandedemii steht seit 4 ½ Jahren in meinem Garten, hat aber leider noch nicht geblüht. Stand am Anfang wohl zu trocken. Nun setze ich meine Hoffnung auf 2019.

Vielleicht sollte ich ihr mal das Bild von unserer Fachgruppenreise nach Dänemark zeigen.  ;)
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.    Albert Camus

Pyxidanthera †

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #11 am: 12. Dezember 2018, 21:53:21 »
 Titanotrichum oldhamii ist eine etwas größere Gesneriacee, die wahrscheinlich einigermaßen hart ist. Sie hat allerdings den Nachteil, dass sie sehr spät im Jahr blüht. Bei mir stand sie dann im totalen Schatten und blühte kaum noch auf. Ich hoffe, dass meine Umpflanzaktion da Abhilfe geschaffen hat.
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Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #12 am: 19. April 2019, 21:45:28 »
Haberlea nathaliae war bisher immer blühfaul. diesmal gab es gleich 5 große Blüten.

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #13 am: 22. April 2019, 22:17:01 »
Haberlea rhodopensis virginalis ist längst nicht so schön wie die normale blaue Art.

Christoph Rohlfs

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Re: Ramonda,Haberlea und andere Freilandgesneriaceen
« Antwort #14 am: 24. April 2019, 17:57:18 »
Nach langem Warten blüht Jankemonda vandedemii, eine Kreuzung aus Jankea heldreichii und Ramonda myconi, zum ersten mal.