Autor Thema: Hortus Lilium, die Lilien-Arche in Erlangen  (Gelesen 462 mal)

Hortulus

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Hortus Lilium, die Lilien-Arche in Erlangen
« am: 09. September 2017, 16:37:09 »
Mein Nickname Hortulus erklärt sich von selbst, wenn man den Liber de Cultura Hortorum kennt.
Bereits im Jahr 840 schrieb der Botaniker und Reichenauer Abt, Walahfried Strabo, dieses Werk. In Versform schreibt er über die 24 wichtigsten Heilpflanzen, ihre Kultur im Garten und deren Verwendung in Küche und Medizin. Beginnend mit Salbei und Weinraute kommt er mit dem 9. Vers bereits zur Schwertlilie und mit dem 12. zur Lilie selbst.

Der Lilie sprach man von alters her besondere Heilkräfte nach. Auch heute noch ist der wichtigste Bestandteil in vielen Medikamenten und Pflegeprodukten die Tigerlilie, früher Lilium tigrinum, nun Lilium lancifolium. Auch die Madonnenlilie (Lilium candidum) wird als weiße Lilie in der Heilkunde und Kosmetik verwandt. Unsere heimische Türkenbundlilie (Lilium martagon) ebenso wie die sehr selten gewordene Feuerlilie (Lilium bulbiferum ssp. bulbiferum). Daher ziehe ich gerade von letzterer etwa 1000 Jungpflanzen in der Lilien-Arche in Erlangen heran, um sie wieder zu verbreiten.

Die Lilien-Arche begründete ich im Frühjahr 2009, als Konsequenz auf immer mehr verschollene, wirklich erhaltenswerte Lilien, unserer besten Züchter. Es ist fünf vor zwölf, leider für viele schon weit danach und sie sind für immer verloren. Es sei denn, in dem einen oder anderen Garten, finden sich noch welche von ihnen. Bei der Verifizierung bin ich immer gerne behilflich.

Mein Hortus Lilium bietet neben seltenen, vom Aussterben bedrohten Lilien, Iris und Hemerocallis auch anderen Raritäten Schutz. Seltene Stauden zu vermehren und wieder zu verbreiten ist meine Ideologie. Darüber hinaus finden in meinem kleinen Garten, denn das bedeutet Hortulus auch, viele Wildstauden, Wildgehölze, heimische Insekten und Tiere einen Lebensraum.

Bereits bei den Vorbereitungen zur Gründung des Netzwerk Pflanzensammlungen (NPS), war ich mit meiner Lilien-Arche in der Bundes Arbeitsgemeinschaft Pflanzensammlungen (BAPS) aktiv. Als das NPS gegründet wurde, setzte ich mich voll dafür ein. Später, als ich in den Vorstand der GdS gewählt wurde, nahm ich an den Veranstaltungen des Netzwerk Pflanzensammlungen als offizieller Vertreter der GdS teil.

Im Jahr 2012 wurde ich von der Mitgliederversammlung in Herdecke zum 1. Stellvertretenden Präsidenten der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V. (GdS) gewählt und trat dieses Amt am 1. Januar 2013 an. Meine Wiederwahl erfolgte 2015 in Westerstede und seit 1. Januar 2016 läuft nun meine zweite und letzte Amtszeit als 1. Stellvertretender Präsident der GdS.

Für die Jahre 2013 bis 2016 wurde ich als Vertreter der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V. in das Präsidium der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V. gewählt. 2016 erfolgte meine Wiederwahl für weitere 4 Jahre. In diesen vergangenen fünf Jahren konnte ich sehr viel für die GdS, ihre Mitglieder und im Besonderen für die Mitglieder deren Pflanzensammlungen im NPS integriert sind tun. Denn das NPS war von Anfang an in der DGG angesiedelt. Nun, nach erfolgreichem Abschluss der 6 jährigen Projektphase, ist das NPS Bestandteil der Deutschen Genbank für Zierpflanzen im Bundessortenamt in Hannover.

Im Jahr 2016 wurde ich zum neuen Leiter der GdS Fachgruppe Lilien gewählt und habe dieses Amt am 1. Januar 2017 angetreten. Von ursprünglich 41 hat sich nun die Mitgliederzahl der Fachgruppe Lilien auf 83 erhöht. Gerne nehmen wir weitere GdS Mitglieder in die Fachgruppe auf. Wir haben keine Obergrenze. Innerhalb der Fachgruppe als auch der GdS im Ganzen, suche ich nach neuen alten Lilienzüchtungen für die Lilien-Arche in Erlangen.

Auf annähernd 10.000 m² wachsen neben Lilien, Iris und Hemerocallis jede Menge Wildstauden. Vorwiegend heimische, denn nur sie gewähren unseren heimischen Insekten und Tieren Nahrung und Lebensraum. Wildstauden und Prachtstauden lassen sich nach meiner Erfahrung sehr gut miteinander kombinieren. Neben meinem Feuchtbiotop und Himmelsweiher, habe ich auch ein Trockenbiotop, Totholzhaufen und jede Menge Wildwuchs. Es ist schön mit anzusehen, wenn der Distelfink vor meinen Disteln flatternd wie ein Kolibri, die Samenfäden herauszieht. Wochen vorher war es der Distelfalter, der uns erfreute. Wer Schmetterlinge mag, muss auch Raupen fressen lassen und den Raupen eben ihre Wirtspflanzen. Es ist nicht jedermanns Sache, Distel, Brennnessel, Melde, Zaunrübe und Co. im Garten wachsen zu lassen. Jedoch alternativlos, will man unsere heimischen Insekten schützen. Der Verzicht auf jegliche Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger brachte mir auch die Auszeichnung mit der Gartenplakette des Österreichischen Vereins Natur im Garten ein.

Im September 2017 wurde mein Garten zum ersten Natur im Garten Schaugarten in Deutschland ernannt. Die Lilien-Arche in Erlangen ist grundsätzlich jederzeit, nach telefonischer Anmeldung, zu besichtigen. Nur manchmal kann ich eben nicht vor Ort sein und Ausnahmen bestätigen die Regel.

Neben mehreren tausend Lilien, in hunderten Arten und Sorten, sind Schwertlilien und Taglilien der Star in meinem Garten.

Wer sich traut, kann gerne zur Hauptblütezeit Ende Juni und Anfang Juli zu mir kommen. Aber Vorsicht, Lilien machen süchtig.
Mein Wahlspruch: Macht alle mit, denn gemeinsam können wir mehr erreichen ist wirklich so gemeint. Alleine, jede/r für sich, können wir viel schaffen, doch nur gemeinsam werden wir mehr erreichen. Wenn es in irgendeinem Garten noch alte Züchtungen von Lilien, Schwertlilien und Taglilien gibt, dann lasst es mich bitte wissen. Sie zu finden und zu erhalten ist meine mir selbst gestellte Aufgabe. Doch nur durch die Mithilfe vieler Staudenfreunde, ist es mir möglich etwas zu bewegen.

Liebe Grüße aus Erlangen

Hortulus

Stefan Strasser
1. Stellvertretender Präsident der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V.
Leiter der GdS Fachgruppe Lilien und Lilien-Arche/Hortus Lilium in Erlangen


 
Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
Macht alle mit, denn gemeinsam können wir mehr erreichen.