Autor Thema: Hepatica – Leberblümchen  (Gelesen 3029 mal)

Pyxidanthera †

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Hepatica – Leberblümchen
« am: 05. November 2017, 18:21:06 »
Anders als die japanischen Hepatica-Kultivare sind Hepatica nobilis – das einheimische Leberblümchen – und Hepatica transsivanica – das Siebenbürger Leberblümchen als Gartenpflanzen ganz gut geeignet.

Allerdings gehören sie zu den Pflanzen, die ihre Lebensbedingungen recht genau erfüllt haben wollen.

Wenn man sich ein wenig unter Pflanzenfreunden umhört, stellt man sehr unterschiedliche Beurteilung bezüglich der Gartenfähigkeit von Hepatica fest. Die Aussagen reichen von ganz einfach bis geht nicht. Das liegt vielfach an den sehr unterschiedlichen Verhältnissen in unseren Gärten. Hepatica noblis wird zwar als das einheimische Leberblümchen bezeichnet, aber heimisch ist es nicht in ganz Deutschland. Grob gesagt, wächst es bevorzugt in Gegenden mit eher kontinentalem Klima, weniger der Temperaturverteilung wegen als der Niederschlagverteilung. Zudem ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine Waldpflanze handelt.

Vor ca. 20 Jahren habe ich mich in Leberblümchen verliebt, ohne einen Schimmer davon zu haben, dass weder mein Boden (Bördeboden) noch mein Klima (eher ozeanisch mit recht hohen Niederschlagsraten) besonders der Kultur von Hepatica zuträglich ist. Lediglich die Situation mit relativ viel Schatten stimmt.
So kann man eigentlich nur Schiffbruch erleiden und normale Menschen sagen sich dann: sollte wohl nicht sein.

Nun ist eine gewisse Verrücktheit unter Gartenmenschen recht verbreitet. Deshalb ist es vielleicht nicht so erstaunlich, dass ich, statt mich von den Hepatica zu verabschieden – die immerhin die heftige Tendenz hatten, sich aus meinem Garten zu verabschieden – immer intensiver mit der ganzen Angelegenheit beschäftigte.
Im Laufe der Zeit habe ich Teile meines Gartens so verändert, dass die Pflanzen mittlerweile recht gut gedeihen. So wachsen nun viele, viele recht unterschiedlich Vertreterinnen dieser Gattung aus der Familie der Ranunculaceen in meinem Garten.
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Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.    Albert Camus

Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #1 am: 05. November 2017, 18:23:25 »
Hepatica sind Meister der Langsamkeit.
Bei optimaler Behandlung keimen Samen im Jahr nach der Aussaat, machen aber nur ein Keimblatt und warten mit dem weiteren Wachstum ein ganzes Jahr. Auch in den nächsten Jahren ist der Zuwachs gering, wie überhaupt Wuchern das Gegenteil ihres Wuchsverhaltens ist. Die erste Blüte ist nach drei, eher vier, fünf Jahren zu erwarten. Alles kann aber in jeder Phase noch länger dauern.

Hepaticasamen keimen nur frisch. Sinnvoll ist es, sie kurz vor der vollständigen Reife vorsichtig zu ernten und sofort auszusäen oder so unterzubringen, dass sie immer feucht bleiben, aber nicht faulen.
Nach meiner Erfahrung besteht lediglich bei Samen von Hepatica maxima, die deutlich später reifen, die Chance nicht ganz frische Samen zum Keimen zu bringen.

Wegen der Langsamwüchsigkeit der Leberblümchen können diese nicht zu den billigen Pflanzen gehören.
Alle Pflanzen, die vegetativ vermehrt werden, sind natürlich noch viel kostspieliger und auch schwierig zu bekommen, da zum langsamen Wachstum auch eine gewisse Störempfindlichkeit kommt. Zu schnell geteilte Pflanzen wachsen schwer bis gar nicht.
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Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #2 am: 05. November 2017, 18:29:24 »
Im normalen Ablauf blüht Hepatica transsilvanica als Erste. Sie gilt auch als die am leichtesten zu kultivierende Art. Aus eigener Erfahrung kann ich das nicht bestätigen.
Im Gegensatz zu H. nobilis. die zentriert wächst, hat H. ein leicht flächiges Wuchsverhalten. Ihre Blätter sind meistens etwas größer und etwa anders geformt. Im Allgemeinen werden ihre Blüten größer sind aber erheblich weniger zahlreich als bei H. nobilis.

Anders als z.B. die Vorfrühlingsblüher aus dem Zwiebelbereich stecken Hepatica den Frost nicht ganz so gut weg. Deshalb ist es ein ambivalentes Vergnügen, wenn die Leberblümchen sehr früh blühen. Das vorzeitige Blühen geht oft in Form einer Art Kleckern vonstatten, was auf Kosten einer reichen Vollblüte geht.
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Edi

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #3 am: 05. November 2017, 19:18:35 »


Vor ca. 20 Jahren habe ich mich in Leberblümchen verliebt


 :) :) :)

Danke für deine Ausführungen, Pyxi!

Hinzufügen möchte ich, dass sich Hepatica nobilis sehr gut aussamen, wenn man den Boden nicht bearbeitet. Seit ich Kompost nur noch ausstreue und nicht mehr einarbeite, bekomme ich viele Sämlinge. Es ist eine Freude! Leider dauert es bis zur ersten Blüte, aber das macht es besonders spannend.


Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #4 am: 05. November 2017, 22:11:20 »
Liebe Petra, Du magst vielleicht keine jap. Hepatica-Kultivare pflegen können, wollen
Aufgrund des Klimas und der Lage Deines Gartens hast Du aber bestimmt erheblich weniger Probleme mit den europäischen, z.B. Hepatica transsilvanica
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Sabine Baumann

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #5 am: 05. November 2017, 22:19:56 »
Das sind alles Transsilvanicas? Kaum zu glauben! 😅

Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #6 am: 05. November 2017, 22:20:04 »
Oder auch einfache Hepatica nobilis, von denen es eine große Vielfalt in Formen und auch Farben gibt.
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Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #7 am: 05. November 2017, 22:22:03 »
Das sind alles Transsilvanicas? Kaum zu glauben! 😅

Ja, das sind alles H. transsilvanica, und das 2. einfache H. nobilis, keine Sorten.
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Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #8 am: 05. November 2017, 22:24:30 »
Oder diese, nicht ganz so einfache ;) aber alles Gartenpflanzen
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Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #9 am: 05. November 2017, 22:28:08 »
Oder die Varietätshybriden, die auch in manchen Gärten gut gedeihen.
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Anny Hohenstein

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #10 am: 05. November 2017, 23:59:10 »
Pixie, wahnsinnig deine Hepatica- Sammlung.
H.nobilis hat sich bei mir auch schon ausgesät, dann gehöre ich auch zu den Glücklosen bei denen H.transylvatica nicht wollen >:(
Edi deinen Tipp mit dem Humus nur aufstreuen und nicht eingraben werde ich befolgen.
Gebt ihr auch Eierschale zu den Hepaticas??
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Anny

Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #11 am: 06. November 2017, 16:37:18 »
Ich mache das mal und mal nicht. Es schadet sicherlich nicht. Der Kalk wird doch sowieso nur langsam abgebaut. Ob Hepatica Kalk unbedingt Kalk benötigen oder nur tolerieren ist sowieso nicht  heraus. Zwar gilt der Kalk-Buchenwald als ihr natürlicher Lebensraum, aber sie wachsen auch an ganz anderen Stellen, sodass wahrscheinlich andere Faktoren viel entscheidender sind.
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Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #12 am: 06. November 2017, 17:07:26 »
'Ann' bringt schon seit Anfang Oktober eine Blüte nach der anderen hervor. Hoffentlich zur Hepatica-Blütenzeit auch noch.
'Ann' ist eine Hybride zwischen der amerikanischen H. nobilis var. akuta und H. nobilis var. pyrenaica aus Europa. Dabei ist wohl nicht ganz klar, ob Pyrenaica Varietätsstatus hat nur eine Form ist.
Erstaunlich ist der frühe Blühbeginn, da die amerikanischen Leberblümchen nicht zu den frühen gehören.
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Pyxidanthera †

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #13 am: 06. November 2017, 17:16:49 »
Der könnte von H.nobilis var. pyrenaica kommen. Diese büht auch schon einige Zeit.
Allerdings denke ich, dass das keine reine Pyrenaica ist. Die zeichnet sich durch eine kleine Gestalt in allen Teilen aus. Meine Pflanze hat große Blätter und große Blüten, die zum Teil auch mehr Blütenblätter hat als sie dürfte. Lediglich die stark gezeichneten Blätter sind typisch.
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Edi

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Re: Hepatica – Leberblümchen
« Antwort #14 am: 06. November 2017, 18:44:52 »
Edi deinen Tipp mit dem Humus nur aufstreuen und nicht eingraben werde ich befolgen.
Gebt ihr auch Eierschale zu den Hepaticas??

Sollte das Material sehr trocken sein, ist es besser vor Regen zu streuen bzw. anschließend zu gießen, starker Wind kann sonst schon mal Teile davon wegblasen.
Eierschale streue ich nie.