Autor Thema: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“  (Gelesen 709 mal)

Pyxidanthera †

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Über Diapensiaceen, besonders über die in Gärten am weitesten verbreitete Gattung Shortia, findet man einige sehr widersprüchliche Angaben. Deshalb scheint es mir sinnvoll zu sein, Erfahrungen zusammen zu tragen und die Möglichkeit zu haben, ggf. nachzufragen.

Da ich hoffe, dass es im Diapensiaceae-Thread im Laufe der Zeit eine Menge Bilder und Berichte geben wird (von vielen Liebhaberinnen und Liebhabern dieser lohnenswerten Gattungen), habe ich für das Thema allgemeine und spezielle Kulturtipps, Schädlinge ect. und Vermehrung einen eigenen Thread eröffnet.

Wenn man kurz etwas „nachschlagen“ möchte, scheint mir das praktischer und übersichtlicher zu sein.
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.    Albert Camus

Pyxidanthera †

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Re: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“
« Antwort #1 am: 07. November 2017, 15:45:25 »
Es wurde schon darauf hingewiesen, dass Shortia als etwas schwierig gilt.
Meine erste Erfahrung war auch etwas negativ. Wegen der „Schwierigkeiten“ hatte ich mich zur Kübelhaltung entschlossen, mit dem Erfolg, das eine von drei Pflanzen im folgenden Winter eingegangen ist.

Die grundsätzlichen Schwierigkeiten bei Frost, die für immergrüne Pflanzen bestehen, gelten natürlich auch in gewisser Weise für kleine Immergrüne.
Seitdem ich meine Pflanzen im Boden, bzw. die Gefäße eingegraben habe, hatte ich keine Winterprobleme mehr.

In Gegenden mit langen Kahlfrostperioden scheint es mir sinnvoll zu sein, dafür zu sorgen, dass die Diapensiaceen nicht zu viel Wintersonne und Wind abbekommen.
Da sie aber anderseits sehr ansehnlich gerade auch im Winter sind, ist abdecken wohl auch nicht die Lösung. Wahrscheinlich hilft da nur eine gezielte Wassergabe.

Allerdings sind das Schwierigkeiten, mit den ich in Klimazone 8a und einem (leider) winterschattigen Garten nicht zu kämpfen habe. Deshalb habe ich in dieser Hinsicht keine Erfahrungen.
Ich hoffe auf Beiträge aus kälteren Gegenden.  :)
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Re: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“
« Antwort #2 am: 07. November 2017, 16:07:03 »
Das alle Pflanzen dieser Familie Moorbeetpflanzen in dem Sinne, dass sie feuchten Torf benötigen, wurde schon im Diapensiaceae – Thread bemerkt.
Und auch, dass sie keinen Kalk vertragen.

Falls in sehr durchlässigem Boden oder in kalkhaltigem Boden ein Beet angelegt werden soll, muss unbedingt eine Folie eingearbeitet werden.

Ich verwende ein Torf- Sand-Gemisch. Die Feuchtigkeit ist bei mir schwankend aber nicht austrocknend.

Häufiger werden Torfsoden zur Kultur von Shortia empfohlen. Ich habe damit keine besonders guten Erfahrungen gemacht und weiß das auch von anderen. Wahrscheinlich ist hier die Austrocknungsgefahr u.U. größer, sodass man diese Gefahr besonders im Auge behalten muss.

Über die Sonnenverträglichkeit herrschen auch unterschiedliche Meinungen. Unzweifelhaft handelt es sich nicht um Sonnenkinder. Aber wenn man die Blattbeschaffenheit betrachtet, kann man eigentlich auch nicht auf den Gedanken kommen, dass sie bei jedem Sonnenstrahl verbrennen könnten.

Nach den von mir gesammelten Erfahrungen blühen zu schattig stehende Pflanzen sowieso schlecht. Teilweise Sonnenschein ist kein Problem wenn genügend Feuchtigkeit vorhanden ist.
Trockenheit ist tödlich.

Im Botanischen Garten in Göteborg stehen Shortia vollsonnig. Der Boden ist allerdings nass.
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Re: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“
« Antwort #3 am: 07. November 2017, 16:12:05 »
Manchmal stößt man beim Experimentieren mit einer neuen Gattung gleich auf Schwierigkeiten, manchmal kommen dies erst im Laufe der Zeit. Abgesehen von dem Winterverlust im ersten Jahr sind mir keine Anfangsschwierigkeiten begegnet.

Shortia gehören nicht zu den Pflanzen, die sehr viel tolerieren. Sie benötigen ihre speziellen Bedingungen. Aber diese sind in vielen Gärten – zugegeben teilweise mit einigem Aufwand – herzustellen. Wenn diese erfüllt sind, wachsen sie stetig wenn auch langsam.

Die Blühfreudigkeit lässt manchmal zu wünschen. Meiner Erfahrung nach, liegt es teilweise am Standort, der zu schattig gewählt wurde.

Außerdem wird manchmal heftig von Düngung abgeraten. Das ist nach meinem Dafürhalten ein Fehler. Das Torf-Sand-Gemisch oder auch die Torfsoden sind extern nährstoffarm. Das Argument, dass durch Laubfall ect. im Laufe der Zeit Nährstoffe eingetragen würde, mag für den Naturstandort zutreffen, für meinen Garten nicht.
Zudem möchte ich Blüten nicht in Jahren sondern jedes Jahr an meinen Pflanzen haben.

Ich benutze einen Flüssigdünger für Blütenpflanzen, schwach dosiert, mehrmals im frühen Frühjahr. Wenn es sehr viel regnet, etwas stärker, bei großer Trockenheit noch schwächer dosiert, jedenfalls aber viel schwächer als auf der Anleitung steht.
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Re: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“
« Antwort #4 am: 07. November 2017, 16:26:15 »
In den ersten Jahren habe ich kaum so etwas wie Schädlingsbefall festgestellt.

Im Jahr 2014 hatten wir ein trockenes Frühjahr und ab Mai sehr viel Regen, besonders in den Sommermonaten. Da stellte ich an einigen Stellen Schneckenbefall an Shortiablüten fest.

Anders sieht die Situation bei Jungpflanzen aus. Hier sind Schnecken der absolute Feind, Todfeind im wörtlichen Sinn.

Im Jahr 2014 trat auch zum 1. Mal ein Phänomen auf, auf das ich mir noch keinen Reim machen kann. Ein paar kleinere Pflanzen sehen wie abgeknabbert aus. Ich habe Schwierigkeiten, das mit Schnecken in Zusammenhang zu bringen, da die Blätter älterer Pflanzen sehr hart sind.

Vielleicht hat jemand eine Idee.


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Re: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“
« Antwort #5 am: 07. November 2017, 16:36:46 »
Shortia lassen sich generativ und vegetativ vermehren. Auch hier geht es allerdings langsam zu.

Die Feststellung der Samenreife ist nicht ganz einfach und scheint mir bei den Uniflora-Typen einfacher als bei den Soldanelloides-Typen zu sein.
Auch keimen die Samen in manchen Jahren sehr gut in anderen schlecht oder gar nicht. Ich weiß nicht warum. Jedoch ist das für mich kein Grund zum Verzweifeln. (Das ist schließlich meine Passion und nicht mein Lebensunterhalt)  ;)

Ich säe in ein Torf-Sand-Gemisch, dass ständig feucht gehalten wird und decke die Samen nicht ab.
Wenn sie keimen tun sie das oft schon nach ein paar Wochen und wachsen dann sehr, sehr langsam aber kontinuierlich. (Wenn man sich mit Hepaticaaussaat befasst hat, weiß man das zu schätzen :))

Die ganze Angelegenheit ist sehr klein, ich komme aber mit dem Pikieren gut zurecht. (Vielleicht ist das mehr etwas für Frauenhände  ;) ).
Die Keimblätter und die Jungpflanzen müssen gegen Trauermückenlarven geschützt werden.

Sie wachsen dann vor sich hin und sobald sie ausgepflanzt werden oder sonstwie mit Schnecken in Kontakt treten könnten, müssen sie vor ihnen geschützt werden.
Sonst war es das >:( :( :'(
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Re: Diapensiaceae -Erfahrungen mit Vermehrung und „Verminderung“
« Antwort #6 am: 07. November 2017, 16:44:33 »
Die vegetative Vermehrung nehme ich von Spätsommer bis Herbst an vor. Ach hier gibt es wieder unterschiedliche Auffassungen. Ich erfuhr von einem Shortiaexperten, der meint, es ginge nur im März.

Manchmal bricht auch ein Stück ab, dann versuche ich es auf jeden Fall. Oder es lässt sich vorsichtig ein Stückchen mit Wurzeln entnehmen. Oder Absenker herstellen.
Man sollte sich vor kleinen Experimenten nicht scheuen. 


Ich behandle die Schnittstellen mit einem Bewurzelungspräparat, stecke in ein Torf-Sand-Gemisch und halte das Ganze in gespannter Luft mit regelmäßigem Belüften.
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