Autor Thema: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz  (Gelesen 937 mal)

Hortulus

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Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« am: 17. November 2017, 13:20:46 »
Freunde, ein Thema das ganz viele Menschen beschäftigt ist der Mykorrhiza Pilz.

Eigentlich müssten wir schreiben die Mykorrhiza Pilze, denn es sind tausende verschiedene. Manche von ihnen machen wunderschöne Fruchtkörper in lila oder purpur. Manche sind hervorragende Speisepilze.

Warum Mykorrhiza - Pilze für unsere Böden so wichtig und vorteilhaft sind?

Es ist längst wissenschaftlich erwiesen, das Pilze und da eben besonders die Mykorrhiza Pilze, unsere Pflanzen mit wertvollen Nährstoffen versorgen und so zu gutem Wachstum und gesunden Pflanzen verhelfen. Daher ist der Schutz des Bodens und damit der Schutz der darin lebenden Pilze wichtig. Wird der Boden bloßgestellt, Wind, Sonne, Kälte und starkregen ausgesetzt, sterben Pilze ab. Unsere Böden werden dadurch ärmer und unfruchtbarer. Unsere Pflanzen können sich nicht mehr so gut ernähren und schwächeln, werden anfällig für Krankheiten und Schad-Insekten.

Sie gehen eine Symbiose mit unseren Kulturpflanzen ein und geben ihnen im Austausch gegen Photosynthese Produkte zusätzliche Nährstoffe und sogar Wasser. Die Mykorrhiza Pilze umgeben die unterirdischen Pflanzenteile mit einem dichten Netz dem Pilz-Myzel. In vielen Gemeinden ist bei der Straßenbaumpflanzung das Impfen der Baumwurzeln mit Mykorrhiza Pflicht. Es ist erwiesen das sie den Bäumen helfen, in den oft kleinen Pflanzflächen am Straßenrand, gesund zu bleiben und gut zu wachsen.

Mykorrhiza Pilze gibt es in jedem Garten, nur gehen sie bei Überdüngung ein, oder werden so stark dezimiert das sie unseren Pflanzen nicht mehr helfen können. Am schlimmsten ist für Mykorrhiza Pilze ein zu viel an Stickstoff und der ist ja in den meisten Kunstdüngern der Hauptbestandteil. Nun frage ich mich, als Vizepräsident der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V., welche Erfahrungen ihr mit Mykorrhiza in euren Gärten gemacht habt. Ganz besonders würde mich dabei interessieren, wie ihr sie einsetzt und woher ihr sie bekommt. Macht ihr sie selber, oder kauft ihr sie?


Hier ein YouTube Beitrag, zwei Wiener Studenten zu Mykorrhiza: Wie Mykorrhiza Pilze im Garten Ihre Ernte verbessern können.

Hier ein Beitrag in ARTE zu Mykorrhiza, bei Minute 23 und 55 Sekunden: Mykorrhiza auf ARTE: Die wunderbare Welt der Pilze.

Hier ein Link zu Mykorrhiza im Pilz Forum.

Hier ein Link zum Institut für Pflanzenbiochemie Halle.

Hier ein Link vom NABU.

Hier ein Link zu Jean Pütz über Mykorrhiza.

Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
Macht alle mit, denn gemeinsam können wir mehr erreichen.

Hannelore Goos

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Re: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« Antwort #1 am: 17. November 2017, 17:04:25 »
Nun frage ich mich, als Vizepräsident der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V., welche Erfahrungen ihr mit Mykorrhiza in euren Gärten gemacht habt. Ganz besonders würde mich dabei interessieren, wie ihr sie einsetzt und woher ihr sie bekommt. Macht ihr sie selber, oder kauft ihr sie?

Mindestens seit 2005 verwende ich Endomykorrhiza sowohl für meine Tropenpflanzen (Iridaceen, Musa) als auch für Tomaten. Außerdem setze ich sie bei allen Baum- und Strauchpflanzungen ein.
Relativ günstig war von Anfang an der Mykorrhiza-Shop http://www.mykorrhiza-shop.de in Dessau.

Wie die Pflanzen gewachsen wären ohne Mykorrhiza, kann man natürlich nicht sagen, aber ich führe die Tatsache, dass ich seit Jahren keine Braunfäule mehr habe, obwohl meine Tomaten in guten wie in schlechten Sommern im Freien stehen, neben der Sortenwahl auch auf die Mykorrhiza zurück. Durch den ständigen Eintrag mit Jungpflanzen, die beim Pikieren "ihr Löffelchen" Mykorrhiza auf Blähton bekommen, nehme ich an, dass sie sich auch im Garten angereichert hat.

Ein Verfahren, Endomykorrhiza-Sporen auf Blähton aufzutragen, wurde meines Wissen von der Universität Jena im Anschluss an die große Flutkatastrophe 2002 entwickelt; der Zweck war eigentlich, den Gräsern auf den neuen Deichen zu schnellerer natürlicher Festigkeit zu verhelfen.

Beim Einsatz von Mykorrhiza sollte man Einiges beachten: Die Symbiose klappt nur, wenn die Sporen unmittelbar mit Wurzelkontakt aufgehen. Da dies beginnt, sobald die Pilzsporen in eine feuchte Umgebung kommen, misstraue ich den feuchten Substraten, die für teuer Geld "mit Mykorrhiza versetzt" werben.

Endomykorrhiza kann auch nicht an jede Pflanze gegeben werden. In den Informationen des Mykorrhiza-Shops heißt es:
Zitat
Kreuzblütler (4 Blütenblätter an einer Blüte) wie z.B. Raps und Kresse bilden keine Symbiosen aus. . . . Einige Laubbäume und alle Hartnadelgewächse benötigen als Symbiosepartner die so genannte Ektomykorrhiza, die im angebotenen Produkt nicht enthalten ist.


An Orchideen darf fremde Mykorrhiza gar nicht gegeben werden, da hat nämlich jede Orchidee ihre spezifische eigene, die man durch fremde vielleicht sogar schwächen und damit die Pflanze umbringen würde.

Zu warnen ist auch von sogenannter "Spezial-Mykorrhiza": Kleine, teure Abpackungen "Mykorrhiza für Rosen" oder ähnliches. Wenn man Mykorrhiza an eine Pflanze gibt - besonders bei Tomaten zu beobachten - bleibt diese erst einmal in ihrer Entwicklung stehen, bis die Symbiose gebildet ist. Dann wächst sie richtig los und holt den Zeitverlust schnell wieder ein. Um diesen Verzögerungseffekt zu überspielen, sind in solchen Spezialmischungen teilweise Zusatzdünger, die das Pflanzenwachstum gleich puschen. Das behindert aber die Symbiosebildung, wenn es sie nicht sogar unterbindet.

Insgesamt eine interessante Sache, nur wie bei allen diesen Spezialitäten, ohne Fachkenntnisse kaum mit Erfolg anzuwenden.

Gruß
Hannelore
Es macht übrigens viel wacher, den Kaffee über die Tastatur zu kippen, statt ihn zu trinken. (Quadrasophics)

Sabine Baumann

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Re: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« Antwort #2 am: 17. November 2017, 21:27:29 »
Ich gebe seit ca. 2 Jahren 'Rootgrow' (RHS) bei der Pflanzung von Gehölzen ins Pflanzloch. Bis jetzt sind alle Pflanzen damit gut angewachsen - allerdings weiß ich natürlich auch nicht, wie es ohne die Mykorrhiza gewesen wäre.  :) 
« Letzte Änderung: 17. November 2017, 21:30:41 von Sabine Baumann »

Hannelore Goos

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Re: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« Antwort #3 am: 18. November 2017, 08:48:41 »
Wenn Interesse besteht, kann ich dazu ja mal einen Artikel für den Staudengarten schreiben und Bilder dazu suchen, also
- was ist Mykorrhiza allgemein
- Endo- und Ektomykorrhiza
- spezialisierte und generalisierende Formen
- praktische Anwendung (eigene Erfahrungen)

Gruß
Hannelore
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Hortulus

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Re: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« Antwort #4 am: 18. November 2017, 09:15:59 »
Ja gerne Hannelore, das ist ein tolles Angebot.
Die Redaktion freut sich über solche Artikel für unseren Staudengarten und unsere bald 6.000 Mitglieder ebenso.
Darf der Artikel nach erscheinen auch hier im Forum weltweit veröffentlicht werden? So könnten wir zehntausende Staudenfreunde weltweit damit erreichen.


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Hannelore Goos

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Re: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« Antwort #5 am: 18. November 2017, 10:02:42 »
Darf der Artikel nach erscheinen auch hier im Forum weltweit veröffentlicht werden? So könnten wir zehntausende Staudenfreunde weltweit damit erreichen.

Aber natürlich nicht sofort, das muss ordentlich recherchiert und ausgearbeitet werden. Klar kann der Artikel auch hier erscheinen, bloß nicht auf Fakebook, das ich boykottiere.

Gruß
Hannelore
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Hortulus

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Re: Mykorrhiza - der ganz besondere Pilz
« Antwort #6 am: 30. November 2017, 05:45:13 »
Super, so dachte ich mir das auch.
Erst im Staudengarten und dann nach einiger Zeit auch hier im Forum.
Wobei hier eventuell der Artikel, vor allem Bildmaterial, erweitert werden könnte
Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
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