Autor Thema: Substrate - Gärtnererden  (Gelesen 529 mal)

Hortulus

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Substrate - Gärtnererden
« am: 04. Dezember 2017, 09:21:33 »
Substrate, das sind extra angemischte Erden für die Anzucht oder Vermehrung von Pflanzen.

Diese Erdmischungen sind je nach Pflanze und deren Ansprüche sehr unterschiedlich zu erstellen.
So kennen wir alle Torf-Kultur-Substrate, die als TKS 1 (Aussaat- und Anzuchterde) und TKS 2 (Topfkultursubstrat ab 12er Topf) im Handel erhältlich sind. Diese bestehen meist aus 80 Prozent Hochmoortorf, dem Weißtorf, und sind weniger (TKS 1) oder mehr (TKS 2) stark aufgedüngt, chemisch behandelt (denn sonst würde der Weißtorf kein Wasser annehmen) und sehr zuverlässig in ihren Eigenschaften. Durch die Zugabe von Kalk wird der pH-Wert auf etwa 5,5 angehoben.

Eine weitere klassische Erdmischung benötigt einen Maulwurf. Die frischen Maulwurfshügel werden eingesammelt und mit je einem Drittel Sand und Torf gemischt. Damit lassen sich die meisten Sämereien und Pflanzen am besten heran ziehen. Der Torf kann auch durch Ahornlaubkompost ersetzt werden. Aber wer macht Heute noch seinen eigenen reinen Laubkompost?

Dann gibt es auch noch unterschiedliche Erdmischungen ohne Torfanteil. Teils mit Rindenkompost, teils mit Grünschnitt Kompost, teils mit Bio-Tonne Kompost. Manche enthalten sogar Kokosfasern.

Substrate zur Anzucht und Vermehrung unserer Pflanzen werden je nach Bedarf mit organischem Dünger, Kalk, Gesteinsmehlen, Ton, Estrichsand, Kies, Splitt, Lava und sogar Kunststoffen angereichert, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen oder noch zu verbessern. In gut sortierten Gärten findet man oft 5 bis 7 verschiedene Komposthaufen und noch zusätzliche Lagerstellen für bestimmte Zuschlagsstoffe. Das Substratanmischen wird meist nach langjährig erprobten Mengenverhältnissen durchgeführt. Davon hätte so manche Gärtnerin und so mancher Gärtner gerne eine Rezeptsammlung. Was haltet ihr davon, so eine Substrat-Rezeptsammlung zu erstellen?

Bei meinen Besuchen in den unterschiedlichen Gärten und den unterschiedlichsten Regionen, in denen unsere Mitglieder leben, fand ich sehr große Abweichungen in der Bodenbeschaffenheit. So könnten wir ja auch mit einem Holsteiner Blatt in der Oberpfalz nicht in unsere Böden Stechen. Da benötigen wir schon ein Frankfurter Blatt oder einen Spaten.

Da wir immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werden, frage ich mich als Vizepräsident der GdS, welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Wie können wir eure Erfahrungen, mit selbst hergestellten Spezialsubstraten, allen unseren Mitgliedern zugänglich machen?

Ein Weg wäre sicher hier, mit dem GdS Forum. Nur leider sind von über 5.000 Mitgliedern in Gesellschaft der Staudenfreunde e. V., bisher erst 215 im GdS Forum angemeldet. Sicher wird so manches Mitglied hier immer nur als Gast mitlesen, ohne sich je zu registrieren. Das ist ja auch sein gutes Recht. Nur wenn wir möglichst viele oder gar alle erreichen wollen, bleibt uns nur der Weg über den Staudengarten. Ja ich weis, den lesen auch nicht alle Mitglieder.

Dennoch, der Boden und unsere gärtnerischen Erden sind das wichtigste bei der Anzucht und Vermehrung unserer Pflanzen.

Macht alle mit, schreibt hier wie ihr eure Anzuchterden selber herstellt, mischt und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt,
denn gemeinsam können wir mehr erreichen.


 




Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
Macht alle mit, denn gemeinsam können wir mehr erreichen.

Petra Vogt-Werner

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Re: Substrate - Gärtnererden
« Antwort #1 am: 05. Dezember 2017, 14:06:07 »

Substrate zur Anzucht und Vermehrung unserer Pflanzen werden je nach Bedarf mit organischem Dünger, Kalk, Gesteinsmehlen, Ton, Estrichsand, Kies, Splitt, Lava und sogar Kunststoffen angereichert, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen oder noch zu verbessern. In gut sortierten Gärten findet man oft 5 bis 7 verschiedene Komposthaufen und noch zusätzliche Lagerstellen für bestimmte Zuschlagsstoffe. Das Substratanmischen wird meist nach langjährig erprobten Mengenverhältnissen durchgeführt. Davon hätte so manche Gärtnerin und so mancher Gärtner gerne eine Rezeptsammlung. Was haltet ihr davon, so eine Substrat-Rezeptsammlung zu erstellen?

Macht alle mit, schreibt hier wie ihr eure Anzuchterden selber herstellt, mischt und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt,
denn gemeinsam können wir mehr erreichen.

Das ist eine ausgezeichnete Idee! Seit Jahren mische ich und probiere herum mit den unterschiedlichsten Zuschlagsstoffen. Je nach Pflanze braucht es ja auch unterschiedlichste Mischungen. Ein Beispiel: Um mir die Nachdüngerei nach dem ersten Pikieren zu ersparen, habe ich schon mal versucht, ein paar Perlen Langzeit-Balkondünger unter die Pikiererde zu mischen. Wo Phlox begeistert zu wuchern begann, sind mir Cosmeen und Rittersporn jämmerlich eingegangen.

Ausgangssubstrat ist meist Blumenerde aus Säcken. Mein vielen Versuche haben auf jeden Fall ergeben, dass ich nun praktisch immer feinen gebrochenen Blähton (Estrichschüttung aus dem Baumarkt = reiner Blähton ohne Zusatzsstoffe, recht günstig) untermische. Das erhöht die Wasserspeicherkapazität und die Formstabilität. Außerdem fast immer Bentonit als Lehm = Wasserspeicher (Katzenstreu, kostensparend!). Auch Sand ist fast immer dabei. Je nach Pflanzen dann noch mehr oder weniger Kompost (v.a. bei Starkzehrern wie Phlox und bei Humusliebenden, wie Hosta).

Als Aussaatsubstrat nehme ich gerne die Kokosfaserblöcke, die sind fast steril und mische mit Bimssand ca. 0/3. Das geht auch sehr gut als Stecklingserde.

Neueste Versuche laufen nun mit einem gewissen Zusatz von Leonardit (huminreiche Weichbraunkohle). Wir haben hier die Tongrube Rösl in Regensburg, die mit Leonardit gemischte Substrate fertig anbietet. Ich habe heuer die Pflanzerde meiner Phloxe damit gemischt. Nun bin ich natürlich sehr gespannt.
Liebe Grüße
Petra

Hortulus

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Re: Substrate - Gärtnererden
« Antwort #2 am: 05. Dezember 2017, 15:43:31 »
Danke Petra,
Genau so stelle ich mir das hier vor.
Jeder kann es nach Deinen Angaben leicht umsetzen und ausprobieren.
Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
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Christoph Rohlfs

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Re: Substrate - Gärtnererden
« Antwort #3 am: 05. Dezember 2017, 16:53:09 »
Ich habe im Garten einen sehr schweren Lehmboden, den ich in 36 Jahren mit Sand und Kompost zu einem guten Boden für Stauden und Gemüse gemacht habe. Im Steingarten ist über einer Lage Bauschutt, Ziegel und zerbrochenen Tontöpfen  ein Substrat aus Basaltsplit (hier am billigsten ,Granit oder jedes andere neutrale Gestein geht genauso gut), etwas Sand, Bims, Lava ganz wenig "normale" Erde, wie ich sie eingangs beschrieben habe, und je nach Pflanzenart gar kein bis sehr viel Kalksplit.

Als Anzuchtsubstrat nehme ich etwa 50 Volumenprozent aus dem Gemüsebeet, 20% gesiebten Kompost, 10% Sand und 10% Bims. Für Steingartenpflanzen wird die Gemüsebeeterde und der Kompost sehr stark reduziert. Heute habe ich einige alpine Androsace ausgesät, da habe ich fast gar nichts davon genommen. Bei Sedum pilosum, Saxifraga und einigen anderen streue ich den Samen einfach auf zerstoßen Tuff. Unter in den Topf kommt etwas Erde dazu, um die Feuchtigkeit zu halten.

Viele etwas gängigere Pflanzen ,fast alle Einjährigen, Phlox, Echinacea, u.ä. säe ich direkt ins Beet, das ich an der Stelle mit etwas Sand angereichert habe.

Von Dünger halte ich gar nichts. Der wird bei mir erst nach dem Keimen gering dosiert  mit der Gießkanne aufgebracht.

Man sollte immer daran denken, dass das Substrat nur ein Faktor von vielen ist. Qualität des Saatgutes, Temperaturführung z.B. bei Kaltkeimern, Wasser, Licht, Schutz vor Platzregen...sind weitere Faktoren, die den Erfolg beeinflussen.