Autor Thema: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem  (Gelesen 2716 mal)

Sabine Baumann

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Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« am: 11. Dezember 2017, 18:14:24 »
Ich habe seit fast neun Jahren einen Teich im Garten, der sehr gut 'funktioniert', sprich es gibt keine Algenplagen oder ähnliches. Von Anfang an war klar, dass es ein Naturteich sein soll und ich hoffte auf möglichst viel Zuwanderung von allerlei Getier. Meine Nachbarschaft war damals äußerst tierfreundlich und naturliebend, weshalb ich mir über mögliches Froschgequake keine großen Sorgen machte. Die ersten Jahre wartete ich vergeblich auf Frösche. Dann kamen zwei Jahre lang einzelne aus einem nahe gelegenen Entwässerungsgraben und ich war total glücklich darüber. Das beginnende Quaken war auch noch nicht besorgniserregend. Erst im dritten Frosch-Jahr schwoll der Geräuschpegel stark an. Die Nachbarn störte das nicht - aber meinen Mann! Im Jahr darauf dann fand ich endlich(?) Kaulquappen im Wasser und im Sommer war der Teich, neben den drei Altfröschen (zwei davon quakende Männer) mit unzähligen kleinen Jungfröschen besetzt. Mir schwante schreckliches.
Mittlerweile hatten wir einen Pflegefall in der Nachbarschaft. Eine sehr umtriebige alte Dame, die ihre tagsüber in Landwirtschaft und Gaststätte stark eingespannte Schwiegertochter nachts viele Male aus dem Bett rief. Wenn diese sich dann wieder hinlegen konnte, hinderte sie das Froschgequake am erneuten Einschlafen. Auf ihre Bitte hin habe ich immer wieder versucht, Frösche zu fangen, um sie umzusiedeln. Mit mäßigem Erfolg. Einmal hat mein Sohn den größten Schreihals erwischt, dann war erstmal Ruhe, aber wenige Tage später hat das zweite, offenbar bisher unterdrückte, Männchen das Quaken genügend geübt und war fast genauso laut wie der bisherige Chef. In diesem Jahr haben nun die Jungfrösche auch angefangen zu quaken. Das Verhältnis zu den betroffenen Nachbarn, das früher immer sehr herzlich war, hat sich nun deutlich abgekühlt. Auch mein Mann fletscht schon die Zähne, wenn irgendjemand das Thema Frösche erwähnt. Mich stören sie überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ab und zu, wenn sie besonders anhaltend quaken, laufe ich nachts in den Garten an den Teich, dann hören sie auf.
Es ist paradox. Alle Amphibien stehen in Deutschland unter Naturschutz. Es ist verboten, sie zu töten, umzusiedeln oder auch ihren Lebensraum zu zerstören. Ich selbst bin seit Jahren im Naturschutz aktiv und weiß, dass ich eigentlich nichts tun kann. Die Froschart, die sich bei uns breitgemacht hat, ist der Teichfrosch, ein Hybrid zwischen dem heimischen kleinen Wasserfrosch und dem hauptsächlich weiter östlich verbreiteten Seefrosch, der sich aber trotzdem selbst weiter vermehren kann. Und das macht er ausgiebig. Der Teichfrosch stellt zumindest bei uns im Südwesten eine große Gefahr für andere Amphibien dar, die er nach und nach aus ihren Biotopen verdrängt.   
Ich finde mich hier also sozusagen zwischen allen Stühlen. Die einzige 'legale' Art, den Bestand zu dezimieren, wäre es, räuberische Fische in den Teich einzusetzen. Da mein Teich nicht sehr groß ist, kämen nur kleine Arten in Betracht, die den Froschlaich fressen würden. Die existierenden Frösche blieben unbehelligt und würden die nächsten ein bis zwei Jahre sicher noch weiterquaken. Wenn der Teich dann irgendwann froschfrei wäre, würden mit Sicherheit wieder neue Frösche von dem besagten Entwässerungsgraben her einwandern.
Wenn irgend jemand eine zündende Idee zur Verkraulung hat oder einschlägige Erfahrungen, dann wäre ich dafür sehr dankbar. Wohlgemerkt: ICH will meine Frösche eigentlich nicht loshaben, aber der Druck um mich rum wird langsam unerträglich.  :(       
« Letzte Änderung: 11. Dezember 2017, 23:12:51 von Sabine Baumann »

Sabine Baumann

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #1 am: 11. Dezember 2017, 18:22:28 »
Das ist ein besonders vorwitziger - gleich wär er wahrscheinlich die Treppe zur Haustür hochgehüpft...

Christoph Rohlfs

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #2 am: 11. Dezember 2017, 18:26:36 »
Wir hatten früher auch Wasserfrösche im Teich. Nach einigen Jahren hat sich aber von selbst vermutlich durch Gelbrandkäfer und Libellenlarven, die den Laich fressen, verschoben.  Jetzt haben wir nur noch Molche und mehrere Libellenarten. Gelegentlich kommt eine Ringelnatter vorbei, die sicher auch ihr Teil zur Vernichtung der Kaulquappen beiträgt.

Sabine Baumann

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #3 am: 11. Dezember 2017, 18:30:11 »
Ja, so ne Ringelnatter wär schon was tolles...
Was mich von der Fischlösung abhält ist vor allem die Tatsache, dass die dann so ziemlich alles fressen,eben auch vieles was für die Wassergesundheit wichtig ist - natürliches Gleichgewicht ade.

wallu

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #4 am: 11. Dezember 2017, 19:01:32 »
Wir haben seit Jahren eine Ringelnatter im Teich, aber die Teichfrösche hatte das nicht beeindruckt  :P.

Um des lieben (Nachbar-)Friedenwillens haben wir vor zwei Jahren alle Frösche weggefangen (etwa ein Dutzend) und an einem Weiher einen km weiter wieder ausgesetzt. Seither ist Ruhe. Dummerweise sind (bzw. waren) wir hier die Einzigen mit Teich und Fröschen, und die Nachbarn nicht allzu tolerant. Allerdings muß ich zugeben, daß der nächtliche Lärm von April bis Juni wirklich z.T. unerträglich war  :-\.
Viele Grüße aus der Rureifel

Hortulus

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #5 am: 11. Dezember 2017, 19:08:10 »
Hallo Sabine,

ich antworte Dir mal ganz offiziell als Vizepräsident eines Bayerischen Fischereivereines. Du könntest die Untere Naturschutzbehörde mit einbeziehen, die Frösche umsiedeln und den Teich zuschütten. Oder, Du setzt einen kleinen Schwarm, also 3, Perca fluviatilis ein.

Der Egli, auch Flussbarsch genannt, unterdrückt die Population, ohne das die Frösche ganz aussterben. Das ist vollkommen im Einklang mit der Unteren Naturschutzbehörde. Du brauchst noch nicht einmal nachzufragen.

Perca fluviatilis bekommst Du beim örtlichen Fischereiverein, oder Teichwirt. Lass Dir bitte keine Centrarchidae ( Sonnenbarsch ), oder gar Gymnocephalus cernua ( Kaulbarsch ) andrehen.

Dann schon lieber einen Süsswasserdorsch, Lota lota, auch Quappe genannt.
Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
Macht alle mit, denn gemeinsam können wir mehr erreichen.

Sabine Baumann

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #6 am: 11. Dezember 2017, 19:21:10 »
Sind die nicht alle viel zu groß für meinen kleinen Teich?  ???  Die Wasserfläche hat vielleicht 12 m², tiefste Stelle ist ein Meter. Was fressen die Fische, wenn kein Frosch mehr da ist?

Susanne ex Braves Kind

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #7 am: 12. Dezember 2017, 09:13:06 »


Ich habe auch einen Teich im Garten, darin eine der Größes des Gewässers angemessene Zahl von Grünfröschen. Sie quaken zur Brunftzeit Ende Mai/Anfang Juni recht laut, sind aber vorher und nachher nur selten zu hören. Sie stellen das Quaken auch sofort ein, wenn sich eine Gefahr nähert. Beherzte Katze genügt.
Hast du mal notiert, in welcher Zeit bzw. wie lange deine Frösche quaken?



Heinz Meyer

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #8 am: 12. Dezember 2017, 09:40:29 »
Wir haben auch Teichefrösche im Garten, in der Haupt Paarungszeit, Mai - Juni schaukeln sich immer so 80 bis ich weiß nicht wie viel gegenseitig hoch. Man mal reicht es schon wenn jemand in der richtigen Tonlage Hallo ruft, dann geht sofort die Post ab, wir finden es klasse, es haben sich auch noch keine Nachbarn beschwert.

Ich habe rein berufsmäßig häufiger mit fragen was man dagegen machen kann  zu tun. Viele Möglichkeiten gibt es da nicht, fangen ist nicht, verboten, Laich und Kaulquappen entnehmen genauso. Fische einsetzen bringt nur was wenn in der nähe keine Teiche sind wo sie ablaichen und von wo aus sie wieder zuwandern können, denn Männern ist es nämlich egal ob Fische da sind oder nicht und die quacken nun mal. Die effektivste Methode wenn man die Frösche nicht haben will, keinen Teich oder eben vorhandenen Teich verfüllen.
Ich hatte dabei schon die tollsten Situationen vor rot bei Beratungsgesprächen mit Kunden, von Hauptverkehrsstraße vorm Haus mit viel Schwerlastverkehr, Bahngleise 50 m von der Terrasse direkt am Garten, donnerte während des Gespräches auch noch ein Güterzug vorbei das die Gläser im Schrank klimperten und wir uns nicht mehr unterhalten konnten, aber die Frösche sind zu laut. Für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder man akzeptiert die Frösche oder man hat keinen Teich. Auf jeden Fall haben die Frösche ältere Rechte als wir, sie gab es schon zu Zeiten der Dinos.
Schöne Grüße aus Ostfriesland

                    Heinz

Sabine Baumann

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #9 am: 12. Dezember 2017, 09:59:38 »
Ich seh das ganz genau so, Heinz, kann auch nicht verstehen, wie man sich über die Tiere so aufregen kann, von Menschen gemachter Lärm statt dessen wird hingenommen.
Andererseits ist es wohl einfach auch so, dass die Menschen auf Geräusche unterschiedlich reagieren. Für mich hat das Quaken was positives, ich freu mich darüber - naja, mittlerweile auch nicht mehr so wirklich. Mittlerweile ist es wie damals, als meine Kinder noch klein waren und sich der in der Wohnung über uns wohnende Opa über den Krach aufgeregt hat...

Aber den Teich zuschütten ist doch genau so wenig erlaubt, weil ich doch dabei den Lebensraum zerstöre? Und nicht nur den der Frösche, sondern auch den aller anderen Tiere im Teich.

Sabine Baumann

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #10 am: 12. Dezember 2017, 10:07:30 »
Sie quaken wie bei Dir, Susanne, auch hauptsächlich im Mai und Juni, hören dann aber nicht wirklich auf, sondern quaken den Sommer über etwas weniger, aber doch eifrig weiter.
Witzig ist auch, was das Gequake auslösen kann: ein Flugzeug, ein vorbei fahrender Traktor, ein bellender Hund... alles wohl potentielle Rivalen in den Augen der Froschmänner...


Heinz Meyer

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #11 am: 12. Dezember 2017, 10:26:53 »
Ja, die Hauptlaichzeit ist Ende Mai, Anfang Juni, aber vereinzelt laichen die auch noch  bis Ende August. Wir haben schon des öfteren im zeitigen Frühjahr große Kaulquappen  im Teich gefunden, also überwintern die auch als diese
Schöne Grüße aus Ostfriesland

                    Heinz

Heinz Meyer

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #12 am: 12. Dezember 2017, 15:42:42 »
Aber den Teich zuschütten ist doch genau so wenig erlaubt, weil ich doch dabei den Lebensraum zerstöre? Und nicht nur den der Frösche, sondern auch den aller anderen Tiere im Teich.
Kommt darauf an wie Groß der Teich ist, kleine Gartenteiche kann man hier in Niedersachsen so verfüllen, da sagt keiner was. Wenn es allerdings ein Genehmigungspflichtiger Tümpel ist bei dem dann auch die Naturschutzbehörde mitmischt sieht es schon anders aus. Zuschmeißen käme für mich aber nicht in frage, egal wer mosert.
Die sogenannte Lärmbelästigung durch die Tierchen ist meistens eingebildet, weil eine Straße oder Bahngleise die noch mehr Lärm machen stören ja auch niemanden, da heißt es dann, kann man halt nix machen. Und genau so sehe ich das auch bei Tieren, gehören halt dazu
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2017, 15:46:39 von Heinz Meyer »
Schöne Grüße aus Ostfriesland

                    Heinz

Sabine Baumann

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #13 am: 12. Dezember 2017, 19:03:09 »
 Ich denke nicht, dass ich durch das Zuschütten Ärger bekommen würde. Wie gesagt, der Teich ist nicht sehr groß und ich habe ihn auch nicht genehmigen lassen. Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass das u.U. nötig ist. Aus Naturschutzgründen fühle ich mich aber verpflichtet, ihn zu erhalten.

Da die Nachbarin VOR der massiven Belastung durch die pflegebedürftige Schwiegermutter kein Problem mit den Fröschen hatte, könnte ich ihr vielleicht vorschlagen, dass ich das Wasser im Frühling abpumpe und den Teich fast austrocknen lasse, bis es eine biologische Lösung bzgl. der Schwiegermutter gegeben hat. Die Frösche können dann wieder dorthin wandern, wo die ersten herkamen, flugfähige Tiere werden sich auch zu helfen wissen. Was ich sonst noch finde, Libellenlarven o.ä. könnte ich evakuieren. Wenn die Oma unter der Erde ist, wird der Teich wieder geflutet. Der einzige, der damit vielleicht nicht zufrieden wäre, ist mein Mann... 😇

Hortulus

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Re: Teichfrösche entwickeln sich zum Problem
« Antwort #14 am: 12. Dezember 2017, 23:13:53 »
Flussbarsche sind sicher nicht zu Groß für Deinen Teich.

Sie werden in der Regel 20 bis 25 cm, in 4 bis 8 Jahren und erreichen dabei selten mehr als 800 bis 1.000 Gram Gewicht.
Der Flussbarsch ist der wohlschmeckendste Süßwasserfisch überhaupt. Sollte er mal zu Groß werden, in die Pfanne damit.
Stefan Strasser, Vizepräsident der GdS und Leiter der Fachgruppe Lilien. Koordinator Teilnetzwerk Lilium der Deutschen Genbank Zierpflanzen.
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