Autor Thema: Verdichteten, etwas lehmigen, sehr feinkörnigen Boden verbessern - wie?  (Gelesen 1212 mal)

Lacera

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Hallo!
Ich bin noch relativ "neu" was das Thema Garten angeht, besonders Bodenqualitäten. Ich habe allgemein gemerkt, dass mein Boden die Feuchtigkeit gut speichert. Dann ist er eher "klebrig". Wenn er trocken ist, ist er steinhart und ich kann ihn in Stücken wegnehmen...
Außerdem ist er wohl sehr fein. Feiner als normaler Sand, von der Körnung her.
Alle meine bisherigen Stauden leben damit... manche eher schlecht, manche natürlich auch gut. Einiges ist mir auch schon kaputt gegangen, weil es wohl nicht der richtige Boden war. Besonders faulen mir Tulpenzwiebeln weg, habe ich den Eindruck.

Ich habe im letzten Jahr bereits eine Schicht Kompost auf einigen Stellen verteilt, das werde ich wohl wiederholen. Das hat den Boden natürlich noch nicht verbessert...

Was kann ich noch tun? Macht es überhaupt Sinn den Boden zu verändern, wenn er doch "von Natur aus" so ist? Wenn ich ihn jetzt durchlässiger mache, kann dann jede Pflanze damit umgehen, oder können mir auch etablierte Pflanzen verloren gehen?
Habt ihr im Garten bewusst unterschiedliche Böden angelegt? Ich stelle mir das sehr umständlich vor, denn ich habe nicht vor 80cm aus zu koffern und dann irgendwie ein anderes Substrat zu nehmen. Da müsste ich ja jedes Jahr wieder Substrat zugeben und hoffen, dass es nicht am Ende auch wieder so feinkörnig wird?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Fragen hier richtig stelle, im Forum geht es bisher scheinbar eher um "allgemeine" Diskussionen, nicht um persönliche Spezialhilfen... falls das hier nicht passen sollte, dann löscht es doch bitte. Ich bin mit dem ganzen Verein und dem Forum noch nicht so vertraut :-)

Viele Grüße :-)

ralf neugebauer

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Erst einmal herzlich willkommen im Forum ,Lacera.
Da ich eher sandigen Boden habe , kann ich nicht viel besteuern.
Ich zitiere  mal aus dem alten Forum einen Beitrag von Christoph. Vielleicht mag er mal berichten.



Beitragvon Christoph Rohlfs » 06.04.2017, 08:48
Als ich vor 35 Jahren die damalige Wiese übernahm, war der Boden sehr schwer. Reiner schwerer Lehm, auf dem im Winterhalbjahr oft Wasser stand. Durch Einarbeiten von 5cm Sand hat sich die Lage dann schon etwas gebessert. Dazu kam, dass ich jeglichen Kompost, auch Küchenabfälle und dicke Äste untergegraben habe, was man eigentlich wegen Pilzgefahr nicht so machen soll. Aber hier ist alles gut gegangen. Der Boden ist immer noch schwer, aber gut zu bearbeiten. Staunässe gibt es nicht mehr.

LG
Ralf

Pyxidanthera †

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Herzlich Willkommen im Forum, Lacera.

Du bist hier sehr richtig. Genau in dieser Abteilung geht es doch u.a. um Böden. Und natürlich ist das Forum dazu da, Fragen ganz nach den  eigenen Garten- und Pflanzenbedürfnissen zu stellen und zu beantworten.

Für mich hört sich Dein Bodenproblem so an, dass Dein Boden zu dicht ist. Da hilft weniger Kompost als z. B. nicht zu feinen Sand einzuarbeiten.
Aber hier gibt es auch Berufsgärtner, die davon viel mehr verstehen und sicher noch antworten werden.
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.    Albert Camus

Lacera

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Ich bin ja wirklich beruhigt das es doch irgendwie ein "normales" Forum ist  ;D Ich habe hier so viele total spezifische und schlaue Beiträge gefunden, dass ich mich als echten Laien hier fast falsch fühlte.

Also eher groben Sand... ich habe mal von Lavasplit gehört, aber wie grob, wie viel...

Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass gar nicht alles so unglaublich genau gemacht werden muss. Wenigstens das "was" und "wie viel" muss ich ja irgendwie wissen...

Pyxidanthera †

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Das hängt auch etwas davon ab, was Du machen willst und welche Möglichkeiten Du hast.
Mancher kann eine Fuhre Sand kommen lassen und die einarbeiten.
Ich habe alles mit und mit gemacht, sozusagen Stückchen für Stückchen. Wo besonders nässeempfindliche Pflanzen hin sollten, habe ich sehr viel Bims eingearbeitet. Das hat den Vorteil, dass es Wasser speichert aber Luft für die Wurzel schafft. Das ist nämlich ein großes Problem bei zu dichtem Boden, die Wurzeln bekommen keine Luft und faulen genau wie die Zwiebeln einfach weg.
Du kennst sicher das Sprichwort: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. So ist auch auch mit einem Garten, mehr eine Lebensaufgabe, mit ständigen Veränderungen und viel Erfahrungen.  ;)
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Anny Hohenstein

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Hallo Lacera, hab keine Bange, genau solche Fragen braucht doch  das Forum, das machts lebendig, und vor allem keine Angst vor den Profis hier, die sind Allesamt sehr nette und hilfsbereite Personen die gerne ihr Wissen mit uns teilen.

Ich z.Bspl. habe guten Löß/Lehmboden, und habe aber im Lauf der Jahre auch schon ganz viel Split,- Mist und Kompost eingearbeitet.

Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man im Schatten sitzt  Rudyard Kipling

Anny

ralf neugebauer

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Ich bin ja wirklich beruhigt das es doch irgendwie ein "normales" Forum ist  ;D
Ich bin reiner Hobbygärtner. Alles andere kam und kommt durch sich untereinander Austauschen und viel
ausprobieren.Und wenn dann noch etwas Geduld dazu kommt , wird das schon.  ;D

Christoph Rohlfs

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Da ich zur Zeit in Patagonien bin, hatte ich wenig Gelegenheit, mich zu melden. Jetzt habe gerade Mal für ein paar Stunden Schnecken-Elan.
Bei so einem Boden würde ich erstmal 10 cm sehr groben Sand oder sehr teuren Lavasand einarbeiten und dann im Laufe der Jahre individuell auf die jeweilige Pflanze abgestimmt mit Sand, Kompost oder Bims weitermachen. Gut Ding will Weile haben.

Michael Conrad

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Liebe Lacera,

meine Gartensituation ist ein klein wenig anders, aber vielleicht kann ich dir einige Anregungen geben:

Wir haben hier in der Tiefe recht schweren Niederrhein-Lehm, der mich manchmal fast resignieren lässt. Denn ohne Bearbeitung des Bodens kann ich viele Pflanzen, darunter Lieblingspflanzen, schlicht vergessen.

Im Normalfall pflanze ich dann halt Pflanzen, die mit dem Lehm zurechtkommen bzw. lasse sie sich aussamen.

Aber bisweilen scheue ich den Aufwand nicht. Lava hat sich als Bodenverbesserer als hervoragend erwiesen, quasi als Universalmittel. Lava ist im Unterschied zu Bims strukturstabil, d.h. zerbröselt nicht im Laufe der Zeit zu feinen Staub. Die Fähigkeit Wasser zu speichern (ich habe mal in einem Versuch ca. 25 Gewichtsprozent ermittelt) ist gut, d.h. in Trockenperioden besteht so ein wertvoller Wasserspeicher im Boden, der gleichzeitig den Boden locker und porig hält. Mit "porig" meine ich die Lücken im Bodengefüge, durch welches Regenwasser schneller in die Tiefe sickern kann (=Verhinderung von Staunässe). Damit entstehen nämlich mit Luft gut versorgte Wurzelbereiche. Schließlich benötigen alle Pflanzenteile, auch die Wurzeln, für die Stoffwechselvorgänge den Sauerstoff der Luft.

Wenn ich ein neues Beet anlege, lockere ich mit Spaten und Hacke erst einmal grob das betonartige Bodengefüge auf. Danach bringe ich Lava auf und arbeite diese mit der Hacke in den Boden ein. Bei den nötigen Mengen sollte man Verstand und Fingerspitzengefühl einsetzen - je nach den Bedürfnissen der vorgesehenen Pflanzung. Der Anteil von Lava im bearbeiteten Boden kann  nur 5 % oder sogar 50 % betragen. Letzteres habe ich so mit meinem Cistrosenbeet gehalten. Das ersparte mir eine Drainageschicht, da aufgrund der aufgetragenen Menge sich eine Hügelbeet-Situation ergab, d.h. Regenwasser läuft schnell vom besonders durch Fäule gefährdeten Wurzelhalsbereich ab.

Lange Rede, kurzer Sinn: Lava ist kein Fehler und für spezielle Anforderungen gut geeignet.

Empfohlene Korngröße: irgendwo zwischen 2 und 12 mm. Dasselbe gilt für feinen Quarzkies, auch recht gut, aber ohne Wasserspeicherung. Kompost sollte nicht tief in den Boden eingearbeitet werden, sondern nur oberflächlich bzw. als wenige cm dicke Mulchschicht. Kompost ist dann perfekt für waldartige Situationen, aber auch für viele Staudenbeete. Nicht alle Pflanzen sind mit Kompost gut bedient. Meine Pfingstrosen pflanze ich direkt in den Lehm, um pilzliche Erkrankungen vorzubeugen. Die mineralische Mulchung mit Lava, Kies etc. hat übrigens den Vorteil gegenüber Rindenmulch, dass auch das feinste Niederschlagswasser den Pflanzen durch Verfügung steht und sich nicht in der Rinde staut. Es gibt keinen Nährstoffklau wie beim mikrobiellen Abbau der Rinde, gefolgt von unkontrollierter Freisetzung der Nährstoffe aus der Rinde. Auch ist das Jäten durch mineralische Mulchung erleichtert. Von Mulchung kann man hier ohne Weiteres sprechen, da das Material den Boden vor Austrocknung schützt, wie es auch andere Mulchstoffe tun.

Die Kosten für Lava relativieren sich, wenn man heimische Lava in größerer Menge bestellt. Je 1000 kg bezahle ich inkl. Anlieferung 209 Euro. Vorsicht: Die Spediteure haben für die Bigbags auf Palette nur eine "Ameise" zur Verfügung. Selbst kleinste Absätze, z.B. Kanten in die Garage rein, können ohne Rampe und Manpower (schieben, schieben...) nicht überwunden werden. Der Abstellort für die Palette sollte also im Vorfeld geklärt sein.

So, das wars, ich trinke erstmal meinen Kaffee weiter.
:)
Michael
« Letzte Änderung: 27. Januar 2018, 09:23:22 von Michael Conrad »
Mäßigung ist eine gute Sache - jedoch nur in Maßen!

Christina Franziska

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Wir wohnen auch am Niederrhein und haben zum schweren Lehmboden auch noch eine Mergelschicht in einer Tiefe von 1,0 - 1,8 m.
Unser Garten ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, so viele Löcher mußten wir bohren, um diese Mergelschicht zu durchstoßen. Anschließend die Bohrlöcher mit Kies auffüllen. Ansonsten haben wir in 40 Jahren  viel Sand und Kompost verarbeitet.
Liebe Grüße
Christina

Lacera

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Da guckt man mal einige Tage nicht und schwupps, tut sich doch nochmal ganz schön was  :)
Da ich jetzt gelernt habe das Bims sich mit der Zeit zersetzt, tendiere ich wirklich zu Lava. Wie kann ich denn wohl schätzen wie viel ich brauche? Ich habe schon einen Rechner gefunden, der qm Lava in Kilo umrechnet, aber ich habe ja bisher keine Ahnung wie viel ich pro qm brauche.
Ich würde die Lava etwa spatentief einarbeiten, wäre das ausreichend? Das hilft den bereits gepflanzten Stauden natürlich erstmal gar nicht, oder? Müsste ich die alle wieder ausgraben und Lava ins Pflanzloch einarbeiten?
Bisher haben es hier natürlich nur Pflanzen geschafft die mit dem Boden auch zurecht kommen. Kann es passieren, dass die dann plötzlich nicht mehr wollen?

Ich würde jetzt erstmal 20cm hoch Lavakies auf ein Beet schmeißen und dann eben spatentief einarbeiten. Ist das schon zu viel? Zu wenig? Ich weiß, ohne den Boden zu sehen ist das schwer zu sagen... aber ich hab ja nunmal auch keine Ahnung  ;D
Kompost habe ich bisher auch immer nur oberflächlich verwendet. Der vom letzten Jahr würde dann jetzt mit eingearbeitet und dann würde ich um die 3cm neuen aufbringen?!


Ich habe zum Beispiel schon mehrmals Winterlinge gepflanzt, die NIE wieder auftauchen, könnte der "neue" Boden schon besser sein? Ich unterschätze häufig wie empfindlich einige Pflanzen sind... einige Rosen mickern auch eher, die mögen es wohl auch nicht so bei mir. Dafür müsste ich den Boden vermutlich deutlich tiefer aufbereiten, oder?

Oh man, das sind so viele Fragen und alles so durcheinander  :P Ich bin erstmal begeistert von der Erfahrung hier, in 20 Jahren gehöre ich dann hoffentlich auch zu den Helfern  8)

Pyxidanthera †

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Das scheint mir eine gewaltige Menge zu sein. Wie groß ist denn das Gelände?
Wie durchlässig willst Du den Boden machen, für welche Pflanzen?
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.    Albert Camus

Christoph Rohlfs

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Ich würde mit 5 cm Lava anfangen. Wo schon Stauden stehen, würde ich drumrum  grabenoder nur flach einhacken und harken.

Lacera

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Re: Verdichteten, etwas lehmigen, sehr feinkörnigen Boden verbessern - wie?
« Antwort #13 am: 03. Februar 2018, 15:01:21 »
Also ich schätze jetzt mal so 45qm die ich bearbeiten würde.
Wie durchlässig ich den Boden genau haben möchte weiß ich gar nicht. Ich habe bisher einige Gräser, Disteln, Rosen, eine Malve, Goldlack, Sonnenhüte.... in den Beeten stehen. Die haben es bisher hier geschafft. Was halt leider nicht geht sind Tulpen, Anemone coronaria, Winterlinge, Roscoea, Scheinanemone und meine Silberkerze ist auch kaputt gegangen. Also alle diese Dinge hätte ich gerne im Garten und hätte den Boden dafür gerne durchlässiger.
Davon abgesehen wären die bereits vorhandenen Stauden doch sicher auch nicht abgebeigt, wenn der Boden etwas lockerer wäre, oder? Nur weil sie hier überleben sind sie ja noch nicht glücklich?

Man, tut mir echt leid, ich hab mich mit Böden noch gar nicht beschäftigt und bisher einfach alles gepflanzt. Deshalb ist auch schon vieles kaputt gegangen. Da ging schon viel Geld den Bach runter...

Pyxidanthera †

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Re: Verdichteten, etwas lehmigen, sehr feinkörnigen Boden verbessern - wie?
« Antwort #14 am: 03. Februar 2018, 18:02:27 »

Vielleicht solltest du Christophs Vorschlag ins Auge fassen ;)
Du kannst auch jedes Mal, wenn du etwas neu pflanzt, Bims, Sand, Lava oder was gerade für die Pflanze passt, ins Pflanzloch einarbeiten.

Und bedenke auch, dass es noch viele andere Faktoren gibt, die Pflanzen gedeihen oder darben lassen.
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.    Albert Camus